In den meisten Ernährungsbüchern geht es um Nährwerte und Gefahren für die Gesundheit. Anders bei “Lügen, Lobbies, Lebensmittel”: Ingrid Reinecke und Petra Thorbritz machen die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Gesellschaft und Politik zum Thema.
Solche Beziehungen gibt es vielerlei – im Kleinen wie im Großen. Eltern können mit Nahrung Kinder belohnen oder bestrafen. Und nur “brave” Länder erhalten durch Entwicklungshilfe Nahrungsmittel. Was kaum jemand weiß: Die Ernährungsindustrie zählt in jedem Land zu den bedeutendesten Wirtschaftszweigen.
Die Beschreibung der europäischen Agrarpolitik umfaßt mehr als ein Viertel des Buches. Die aktuelle Situation wird in einen zeitlich größeren Rahmen gestellt. So können die Hintergründe besser erklärt und verstanden werden. Die europäische Situation ist geprägt durch den Welthandel und die supranationalen Konzerne. Aus solchen Verflechtungen leiten sich internationale und nationale Normen und Regeln für Lebensmittelqualität und -kontrolle ab, die für die Produzenten, Händler und Verbraucher Vor- und Nachteile bringen.
Die beiden Journalistinnen präsentieren das komplexe Thema gut lesbar. Natürlich können sie nicht alle Zusammenhänge aufzeigen – und manches könnte man sicher auch anders beurteilen. Aber bedauerlich ist doch, daß Hinweise, was der Verbraucher konkret tun kann, zu kurz kommen. Auf jeden Fall provozieren die Autorinnen, über den Tellerrand zu sehen. Sie zeigen: Essen ist auch Politik.
Ingrid Reinecke, Petra Thorbrietz LÜGEN, LOBBIES, LEBENSMITTEL Antje Kunstmann-Verlag München 1997 221 S., DM 29,80
Ulrich Oltersdorf





