Das wirft drei Fragen auf:
Wir fangen in der Mitte an, mit Frage Nummer 2. Das lässt sich nämlich schnell erledigen: Eine Molekülwolke ist eine Wolke aus Molekülen. Da ist die Astronomie sehr direkt, man kriegt genau das, was auf dem Etikett steht. Es sind aber nicht die Wolken gemeint, die wir hier auf der Erde an unserem Himmel sehen können (obwohl die auch aus Molekülen bestehen, nämlich Wasser), sondern es geht um interstellare Wolken: Zwischen den Sternen ist es zwar größtenteils leer, aber nicht nur. Es gibt riesige Regionen, in denen sich jede Menge Atome befinden. Diese Atome können sich zu Molekülen verbinden und im Allgemeinen ist das so gut wie immer H2, also molekularer Wasserstoff. Kein Wunder, denn Wasserstoff ist mit Abstand das häufigste Element im Universum. Aber zum Glück nicht das einzige, denn sonst könnten wir jetzt keine Geschichte über Alkohol im Weltall erzählen.
Groß, dicht und kühl
Eine Molekülwolke ist groß, dicht und kühl. „Groß“ bedeutet, dass sie durchaus ein paar Dutzend bis ein paar Hundert Lichtjahre durchmessen kann. Und auch wenn die Wolke – wie wir gleich sehen werden – erstaunlich viel Alkohol intus hat, ist sie nicht deswegen „dicht“. Und sie ist eigentlich auch nicht dicht im physikalischen Sinn: In einer typischen Wolke dieser Art findet man in einem Kubikzentimeter Raum nur ein paar Tausend Atome. Auf der Erde würde das als extrem gutes Vakuum durchgehen, aber verglichen mit dem wirklich leeren Raum im Weltall sind ein paar Tausend Atome pro Kubikzentimeter durchaus eine ordentliche Leistung. Die Dichte reicht auf jeden Fall aus, damit sich einzelne Atome oft genug nahe kommen können, um sich miteinander zu verbinden und so Moleküle entstehen zu lassen. Das können sie aber nur tun, wenn sie sich nicht zu schnell bewegen, weswegen es dort auch noch ausreichend kühl sein muss, denn je wärmer es ist, desto schneller sausen die Atome durch die Gegend.
Molekülwolken sind also sehr große Gebiete im All, die dicht und kühl genug sind, um dort Moleküle entstehen zu lassen. Das ist die Antwort auf Frage 2, und bevor jemand ungeduldig wird, machen wir mit Frage 3 weiter: Wo bleibt der Alkohol? Bevor wir das beantworten, müssen wir allerdings noch klären, welcher Alkohol es sein darf. Und wenn Sie jetzt überlegen, ob Ihnen der Sinn mehr nach Wein, Schnaps oder Bier steht, müssen wir Sie enttäuschen. Denn egal, welches alkoholische Getränk Sie konsumieren, das, was am Ende den Rausch verursacht, wird in der Wissenschaft immer „Ethanol“ genannt. Daran sollte man sich erinnern, falls man mal in einem Chemielabor gefragt wird, ob man gerne einen Schluck Alkohol probieren möchte. Denn aus Sicht der Chemie ist Alkohol einfach nur eine organische chemische Verbindung, die eine oder mehrere an unterschiedliche aliphatische Kohlenstoffatome gebundene Hydroxygruppen besitzt. Und Sie wollen definitiv nicht jede beliebige an aliphatische Kohlenstoffatome gebundene Hydroxygruppe trinken! Denn eine Hydroxygruppe ist eine Verbindung eines Wasserstoff- und eines Sauerstoffatoms, und daran hängt noch eine spezielle Verbindung aus Wasserstoff und Kohlenstoff. Ethanol zum Beispiel besteht aus zwei Kohlenstoffatomen und fünf Wasserstoffatomen, die an der Wasserstoff-Sauerstoff-Gruppe dranhängen. Wären es stattdessen nur ein Kohlenstoffatom und drei Wasserstoffatome, dann bekommt man eine Verbindung, die „Methanol“ heißt. Aus Sicht der Chemie ist das genauso Alkohol wie Ethanol. Würde sich in Ihrer Maß Bier allerdings Methanol befinden statt Ethanol, wären Sie vermutlich tot, noch bevor Sie „Ein Prosit der Gemütlichkeit“ zu Ende mitgesungen hätten.





