Schon aus dieser Aufstellung wird ersichtlich, dass unter den Linke-Hand-Benutzern die Männer in der Überzahl sind. Warum aber jemand überhaupt zum Linkshänder wird, ist alles andere als klar. Erbfaktoren spielen nach wissenschaftlichen Erkenntnissen allenfalls zu 25 Prozent eine Rolle. Deshalb müssen die Kinder eines Linkshänder-Elternpaares keinesfalls auch Linkshänder sein. Ja, es kommt sogar vor, dass sich eineiige Zwillinge in dieser Hinsicht unterscheiden. Warum auffallend leichte Babys eher zur Linkshändigkeit neigen als schwerere, weiß bisher auch niemand.
Es ist noch gar nicht lange her, da wurden Linkshänder, spätestens wenn sie in die Schule kamen, rigoros auf Rechts umgewöhnt. Davon ist man zum Glück abgekommen, bestätigen doch zahlreiche Studien übereinstimmend, dass Umgeschulte auffällig oft mit Konzentrations- und Gedächtnisstörungen zu kämpfen haben, dass ihr Selbstbewusstsein vielfach eher gering ausgeprägt ist und dass bei ihnen Sprachprobleme bis hin zu ausgeprägtem Stottern öfter vorkommen.
Im täglichen Leben sind Linkshänder – auch wenn sie sich dessen meist nicht bewusst sind – oft größeren Schwierigkeiten ausgesetzt als ihre rechtshändigen Mitmenschen. Denn viele Gerätschaften sind so konstruiert, dass sie sich mit der rechten Hand leichter bedienen lassen als mit der linken. Das trifft zum Beispiel auf Scheren zu. Mit einem Rechtshändermodell können Linkshänder nur sehr bedingt schneiden; sie benötigen eine Ausführung, bei der die Scherblätter andersherum angeordnet sind als üblicherweise. Sonst drückt sie der Daumen der linken Hand auseinander, anstatt zusammen.
Nachfolgend noch einige weitere Besonderheiten: Linkshänder haben in manchen Sportarten einen Vorteil, da ihre zumeist rechtshändigen Gegner, die naturgemäß häufiger mit anderen Rechtshändern trainieren, nicht auf ihre Bewegungen eingestellt sind. So bestätigen etwa rechtshändige Tennisspieler, dass sie oft nur schwer einschätzen können, wohin Linkshänder den Ball schlagen werden. Laut einer französischen Untersuchung sind Linkshänder öfter in Unfälle verwickelt als Rechtshänder. Und während annähernd 17 Prozent dabei schwerere Verletzungen erleiden, sind es bei den Rechtshändern nur knapp acht Prozent. Warum das so ist, weiß niemand.
Zum Schluss noch etwas zum Schmunzeln: Einer skandinavischen Veröffentlichung zufolge tendieren Linkshänder dazu, beim Malen von Gesichtern den Kopf nach rechts blicken zu lassen, während es bei Rechtshändern genau umgekehrt ist.





