Schon in der Altsteinzeit wurden Tote an Lagerplätzen beerdigt, mit dem Beginn der Seßhaftwerdung legte man sie auch in Siedlungen nieder. Die Nähe zu den Toten war sicherlich bewußt gewählt und ist als Ausdruck ihrer Einbeziehung in die Welt der Lebenden zu betrachten. Bestattungen unter Hausfußböden oder zwischen Häusern gibt es in fast allen Siedlungen im jungsteinzeitlichen Anatolien. Meist sind die Toten in einer seitlichen Hocklage beigesetzt.
Im zentralanatolischen Çatal Höyük hat man in einem Haus aus dem 7. Jahrtausend mehr als 60 Bestattungen unter Mauern, Lehmplattformen und Fußböden angetroffen. Kleinkinder lagen um den Eingangsbereich der Häuser und beim Herd. Vermutlich wurden sie noch nicht als vollwertige Mitglieder der Gemeinschaft betrachtet, weshalb man ihnen andere Bestattungsareale zuwies. Gürtelschließen aus Knochen, Ketten aus Steinperlen oder Dolche aus Feuerstein zeigen, daß die Toten bekleidet bestattet wurden. Erwachsene waren in eine Matte oder ein Leichentuch eingewickelt, Neugeborene und Kleinkinder setzte man in geflochtenen Graskörbchen bei.
Wie Knochenbündel zeigen, wurden manche Toten erst in skelettiertem Zustand, als die Weichteile bereits vergangen waren, beigesetzt (in der Fachsprache spricht man von sekundären Bestattungen). Diese Form des Umgangs mit den Toten gibt es in vielen Gesellschaften. Mitunter ist sie Teil einer monatelangen Trauerarbeit, teilweise entsprang sie aber sicherlich ganz praktischen Erfordernissen, etwa wenn es darum ging, ein beim Graben in der Erde zufällig gefundenes Skelett angemessen zu entsorgen, oder wenn man in der Fremde Verstorbene in der Heimat bestatten wollte.
Mit der Beisetzung waren die Vorgänge am Grab nicht unbedingt abgeschlossen. Einige Gräber wurden, nachdem die Weichteile vergangen waren, zur Entnahme des Schädels erneut geöffnet. Die Schädelräuber gingen sehr sorgfältig vor und achteten darauf, daß die übrigen Skelett-Teile nicht gestört wurden. Oftmals blieb der Unterkiefer des Toten noch in der ursprünglichen Lage, während der Schädel entnommen worden war, manchmal fehlte auch der ganze Kopf.
Zweifellos repräsentiert der Kopf, der charakteristischste Teil eines Toten, seinen Besitzer, und so wurde die Sonderbehandlung von Schädeln schon seit der Altsteinzeit praktiziert. Eine Besonderheit des vorderasiatischen Neolithikums sind Totenschädel, die mit Übermodellierungen aus Ton oder Gips versehen wurden. Aus levantinischen und nordsyrischen Fundplätzen sind für die Zeit zwischen 8800 und 7000 über 60 solcher Schädel überliefert. Mit Gips- oder Lehmmasse war ein Gesicht modelliert, die Augenhöhlen können Muscheln zieren. Diese Schädel waren vermutlich für einige Zeit ausgestellt, bevor man sie bestattete. Wie Funde aus den zentralanatolischen Fundplätzen Çatal Höyük und Kösk Höyük zeigen, lebte diese Praxis im 7. Jahrtausend weiter. Sorgfältig geöffnete schädellose Gräber zeigen, daß es sich um Schädel von Gemeinschaftsmitgliedern handelt und nicht um Relikte einer Kopfjagd oder Siegestrophäen. Welchem Personenkreis diese Behandlung zuteil wurde, wissen wir aber nicht, das Auswahlkriterium könnte der gesellschaftliche Status des Toten gewesen sein, aber etwa auch die Todesart oder der Todeszeitpunkt.





