Der Band besticht vor allem durch das originelle, gut kommentierte Bildmaterial. Zahllose frühe Aufnahmen, wovon viele aus privaten Fotoalben stammen und mit modernen Fotos konfrontiert werden, dazu alte Gepäckaufkleber, Werbeplakate und Touristenbroschüren, bieten ein attraktives Kaleidoskop der Italien-Ansichten von den Alpenpässen bis nach Sardinien. Ob eine Teestunde im Simplon-Orient-Expreß 1930 oder die Piazza Navona in Rom um 1880 – die Bilder ermöglichen spannende Vergleiche zwischen dem Italien einst und dem jetzt.
Der Text kann da an vielen Stellen nicht mithalten. In der Einführung etwa werden die unterschiedlichen Motivationen der Italienreisenden des 17. bis 19. Jahrhunderts in nur wenigen Sätzen abgehandelt; Verkürzungen und Ungenauigkeiten bleiben nicht aus. So haben nicht erst die Ausgrabungen in Herculaneum und Pompeji den Tourismus über Rom hinaus weiter nach Süden gebracht – Neapel gehörte zum Programm der „Grand Tour“ bereits des 17. Jahrhunderts. Die Wahrnehmung von Neapel war viel ambivalenter, als der Text behauptet, und ganz sicher läßt sich Goethes Interesse an dem Land nicht auf romantische Gefühle reduzieren. Wer sich hier differenzierter informieren möchte, dem sei das glänzende Buch von Dieter Richter empfohlen.
Rezension: Talkenberger, Heike




