Als sich der greise Mann auf der Anklagebank hinter der kugelsicheren Glasscheibe langsam aufrichtet und hilfesuchend in die Menge blickt, ist die Luft zum Schneiden. Sein Blick tastet sich vorsichtig durch den Saal und streift seine Opfer, insgesamt über 100 Nebenkläger, die in den ersten Reihen der eigens für den „Jahrhundertprozess“ umgebauten „Salle des pas perdues“ des Lyoner Justizpalastes Platz genommen haben. Der Angeklagte, dessen Biographie zu diesem Zeitpunkt bereits als der Lebenslauf eines „Schlächters“ in die Geschichtsbücher eingegangen ist, spricht seine letzten Worte. Und dies – zur Überraschung aller – in der Sprache seiner Opfer, auf Französisch: „Ja, ich habe die Résistance, die ich überaus respektiere, mit Härte bekämpft. Aber es war Krieg, und dieser Krieg ist vorbei.“ Mit zitternder Stimme beteuert er, selbst nie Juden deportiert zu haben. Auf ein Wort der Reue warten die Anwesenden vergeblich.
Nach monatelangen Voruntersuchungen und Wochen der Beweisführung war das folgende Urteil eindeutig. …
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