„Bei den Etruskern besteht die Sitte, daß die Frauen allen gemeinsam sind; sie verwenden viel Sorgfalt auf die Pflege ihres Körpers und treiben Gymnastik, oft zusammen mit Männern, bisweilen allein; denn es ist für sie keine Schande, sich unbekleidet zu zeigen. Sie setzen sich zu Tisch nicht an die Seite ihres eigenen Gatten, sondern zu den ersten besten der Gesellschaft, ja sie trinken auf das Wohl eines jeden, wie es ihnen beliebt. Sie sind übrigens sehr trinkfest und sehr schön anzuschauen. Die Etrusker ziehen alle Kinder groß, die zur Welt kommen, obwohl sie nicht wissen, von welchem Vater ein jedes stammt …“ Diese Beschreibung der etruskischen Frauen stammt von dem griechischen Rhetor und Geschichtsschreiber Theopomp (um 378 – nach 323 v. Chr.).
Auch eine andere griechische Quelle, die des Poseidonios aus Apameia (135 – 51 v. Chr.) in Syrien, bekräftigt diese Darstellung. Er sieht in den Etruskern ein ehemals tapferes und tüchtiges Volk in einem weiten und fruchtbaren Land, das aber seine Kraft eingebüßt habe. Er bezichtigt sie der Schwelgerei und klagt ihren ausschweifenden Lebensstil an.
Bereits Aristoteles schildert empört, daß bei den Etruskern Frauen und Männer beim Mahl unter einer Decke lägen. Die Schriftquellen machen deutlich, wie die Griechen und später die Römer das Volk der Etrusker beurteilten. Es stellt sich jedoch die Frage, ob das einst mächtige, tüchtige und tapfere Volk Mittelitaliens seine Vormachtstellung und ethnische Identität tatsächlich durch Ausschweifungen, Sittenlosigkeit und verschwenderischen Lebensstil verloren hat. Etruskische Schriftquellen sind leider nicht bekannt, die uns unmittelbar über das Leben dieses Volkes informieren könnten. Die archäologischen Zeugnisse ermöglichen jedoch einen gewissen Einblick in das private und öffentliche Leben der „Rasenna“, wie sie sich selbst bezeichneten (von den Griechen wurden sie „Tyrrhenoi“, von den Römern „Tusci“ genannt).
Seit dem 8. Jahrhundert v. Chr. entwickelten sich im Zuge zunehmender Produktivität und erfolgreicher Handelstätigkeit städtische Zentren, in denen ein König (lukumo; er war politisches, juristisches, militärisches und religiöses Oberhaupt) und eine Aristokratie Macht besaßen. Die aristokratische Oberschicht läßt sich in den monumentalen und reichausgestatteten Grabbauten des 7. Jahrhunderts fassen. Mit wachsenden Bevölkerungszahlen, der Vergrößerung der Städte und der damit verbundenen Herausbildung einer kleinen Mittelschicht ist eine Dezentralisierung der Machtausübung anzunehmen, die sich in der Vergabe von Ämtern wohl zuerst an Personen der aristokratischen Oberschicht und später auch an die der Mittelschicht niedergeschlagen hat.
Vom ausgehenden 7. Jahrhundert an erscheint in Inschriften der Titel zilath, der mit dem höchsten Amt in Verbindung gebracht werden kann. Dieses monarchische Staatssystem scheint sich über das 5. Jahrhundert hinaus gehalten zu haben. Im Zusammenhang mit Auseinandersetzungen zwischen dem etruskischen Veji und Rom überliefert Livius einen König als Oberhaupt Vejis im ausgehenden 5. Jahrhundert.




