Seit 1667 war das Land zwischen den Flüssen Corantyne und Maroni niederländische Kolonie und diente vor allem der Plantagenwirtschaft. In diese entlegene Weltgegend verschlug es den badischen Lehrersohn, als er wie viele Deutsche in den Niederlanden Arbeit suchte. Als Soldat und Unteroffizier diente er zwischen 1836 und 1842 in Niederländisch-Guyana, das erst 1975 als Surinam unabhängig wurde. Angesichts der geringen Zukunftsaussichten in der Heimat entschied er sich schnell, sein Glück dauerhaft in Surinam zu suchen. Nach vier Jahren als Kaufmann und Naturalienhändler in der Hauptstadt Paramaribo heiratete er seine Jugendliebe und ließ sich als Plantagenbesitzer an der Grenze zu Französisch-Guyana nieder, wo das Paar bis 1879 lebte.
Vor allem aus dieser Zeit stammen seine vorliegenden Erinnerungen. Sie berichten einerseits von den Aktivitäten und dem Alltag als Kolonist und liefern andererseits natur- und landeskundliche Beschreibungen, die ein lebendiges Bild von Flora und Fauna wie auch von der bunten Bevölkerung aus Indios, afrikanischen Sklaven, asiatischen Kontraktarbeitern und nur wenigen Weißen entstehen lassen.
Kappler legt ein gelehrtes Werk vor, das den Erwartungen seiner Zeit an eine „exotische“ Landesbeschreibung entsprach. Gerade in botanischer und zoologischer Hinsicht erweist sich der Autor durchaus als Experte, und seine ethnographischen Beschreibungen beleuchten immer wieder die Entstehungsgeschichte der in Südamerika einmaligen Mischbevölkerung. Dargeboten wird alles in einer unprätentiösen, angenehmen, gelegentlich leicht ironischen Sprache, die nach Angabe der Herausgeber behutsam modernisiert wurde.
Leider bleibt dem Leser, wie bei allen Ausgaben der Edition Erdmann, verborgen, wie weit sich diese vom Original entfernt hat. Überhaupt wären bei einem solchen Text mehr Erläuterungen wünschenswert, als sie die Einleitung anzubieten hat. Der Erlebnisbericht schließlich fordert von seinen Lesern eine gewisse Ausdauer angesichts einer durch zahlreiche Beschreibungen angereicherten Lebensgeschichte, die sich auf rund 700 Seiten ausbreitet. Wer sich jedoch für Epoche und Region interessiert, wird dies am Ende als lohnende Investition ansehen.
Rezension: Nagel, Jürgen G.




