von DANIELA LUKAßEN-HELD
In Deutschland leben rund 4,5 Millionen Menschen mit und nach einer Krebserkrankung. Mehr als 60 Prozent von ihnen sind nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums Langzeitüberlebende, die die Diagnose fünf oder mehr Jahre zuvor erhalten haben. Jeder zweite an Krebs erkrankte Mensch fühlt sich Studien zufolge psychisch belastet. Und auch, wenn die Erkrankung nach den durchlaufenen und durchlittenen Therapien dann als überwunden gilt: Viele der Betroffenen leiden ihr Leben lang – körperlich wie psychisch. Sei es die Angst, dass der Krebs zurückkommt, der Verlust des Vertrauens in den eigenen Körper oder seien es finanzielle Belastungen durch die Erkrankung. All diese Faktoren erhöhen das Risiko der Krebsüberlebenden, an Depressionen zu erkranken, signifikant.
„Zu den häufigen psychischen Belastungen gehören die Angst vor einem Fortschreiten oder Wiederauftreten der Erkrankung, Schwierigkeiten, die Erkrankung zu verarbeiten und depressive Verstimmungen“, erklärt Volker Arndt, Leiter der Arbeitsgruppe Cancer Survivorship am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ). Da auch in der Nachsorge vielfach das Tumorgeschehen im Fokus stehe, nicht aber die psychischen und finanziellen Folgen, wie Arndt betont, fokussiert sich seine Arbeitsgruppe auf genau diese Aspekte. Derzeit wird ein Konzept entwickelt, bei dem es um die körperlichen Langzeit- und Spätfolgen nach einer Krebstherapie geht.
Ein Aspekt, mit dem sich die Arbeitsgruppe befasst, ist die sogenannte gesundheitsbezogene Lebensqualität. „Ein multidimensionales Konstrukt, das körperliche, psychische, soziale, ökonomische und auch spirituelle Aspekte abdeckt“, erklärt Arndt. Eine differenzierte Erfassung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität dient zwei Zielen: Zum einen erhält die behandelnde Person wichtige Informationen über das individuelle Befinden der Patienten. Zum anderen können durch die Erhebungen systematische Beeinträchtigungen erkannt werden. Und daraus können wiederum Empfehlungen auf der gesundheitspolitischen Ebene für eine bessere Versorgung abgeleitet werden. Deswegen entwickeln Arndt und sein Team einen Lebensqualitätsfragebogen speziell für Krebsbetroffene nach Abschluss der Therapie. „Dieser Fragebogen ergänzt bereits vorhandene Instrumente zur Erfassung der Lebensqualität während der Behandlungsphase. So können der längsschnittliche Verlauf früh einsetzender Einschränkungen, aber auch Aspekte, die erst nach Abschluss der Therapie relevant werden, abgebildet werden“, sagt Arndt.
Insgesamt – so zeigt eine Untersuchung – findet der Aspekt Lebensqualität in klinischen Studien zur Wirksamkeit von Therapien nicht immer Beachtung. US-Wissenschaftler werteten 791 Studien mit insgesamt 555.580 Krebserkrankten aus. Im Fachartikel vom Juni 2025 wird deutlich: Als primäre Zielgröße steht vielfach das Überleben im Fokus der Studien. Kriterien wie die Lebensqualität, die auf den Selbstauskünften von Patienten beruhen, werden zwar häufig miterfasst, spielen aber bei der Bewertung der Überlegenheit einer Therapie meist eine geringere Rolle.





