Rettung vor Blindheit verspricht eine neue Behandlung der altersabhängigen Makula-Degeneration, einer gefürchteten Auflösung des Sehzentrums im Auge. Laserlicht und ein Farbstoff verhindern bei der sogenannten photodynamischen Therapie den Zerfall des Sehzentrums. Der dafür notwendige Farbstoff Verteporfin ist jetzt in Deutschland als Medikament zugelassen worden. Die Makula ist das Sehzentrum des Auges, auch Gelber Fleck oder Macula lutea genannt. Dort ballen sich auf nur zwei Quadratmillimetern 6,5 Millionen Sinneszellen. An dieser Stelle der Netzhaut entstehen daher die schärfsten und kontrastreichsten Bilder. Die Makula erfaßt beispielsweise Buchstaben und Gesichter. Aus bisher unbekannten Gründen beginnen bei vielen älteren Menschen die Blutgefäße in dieser wichtigen Region zu wuchern — mit erschreckender Folge: Die Sehzellen sterben ab. Die Randbereiche der Netzhaut werden dagegen nicht zerstört. Patienten können daher noch sehen, daß eine Uhr an der Wand hängt, aber die Uhrzeit nicht mehr ablesen. Auch das Lesen und das Erkennen von Gesichtern wird immer schwieriger und im Spätstadium völlig unmöglich. Von dieser altersabhängigen Makula-Degeneration (AMD) ist jeder fünfte Mitteleuropäer über 65 betroffen. Darüber hinaus sind bei 15 Prozent aller AMD-Patienten die wuchernden Blutgefäße so porös, daß ständig Flüssigkeit austritt. Diese „feuchte Form” der AMD ist wegen ihres raschen Voranschreitens besonders gefürchtet. Bei der photodynamischen Therapie werden die porösen Blutgefäße mit einem biochemischen Trick durch Laserlicht zerstört. Ursula Schmidt-Erfurth, Professorin an der Klinik für Augenheilkunde der Universität Lübeck, hat diese Methode bereits vor zehn Jahren in den USA entwickelt und erprobt. Doch erst mit der Zulassung des Farbstoffs Verteporfin als Arzneimittel ist ihre Methode jetzt auch in Deutschland praxisreif. Die photodynamische Therapie beginnt mit der Infusion des grünen Farbstoffs in die Armvene. „ Das Verteporfin reichert sich dann vor allem in der Makula an. Die Blutgefäße, die für die Makula-Degeneration verantwortlich sind, haben besonders poröse Wände”, erklärt Schmidt-Erfurth. Nach der Infusion wird die Netzhaut für 83 Sekunden mit einem Rotlicht-Laser bestahlt, der aus dem Farbstoff aggressive Sauerstoffradikale freisetzt. Die Radikale zerstören die wuchernden Blutgefäße. Die Sinneszellen lagern keinen Farbstoff ein und werden deshalb nicht beschädigt. „Eine Behandlung dauert nur 15 Minuten und ist völlig schmerzfrei”, sagt Schmidt-Erfurth. In einer von ihr geleiteten Studie unterzogen sich mehr als 600 Patienten der photodynamischen Therapie. Bei fast 60 Prozent konnte die Zerstörung der Netzhaut aufgehalten werden. Die Sehkraft dieser Patienten verschlechterte sich in den folgenden zwei Jahren nicht wesentlich. Bei Patienten, die anstelle des Verteporfins einen Placebo-Farbstoff bekamen, war dieser Anteil nur halb so groß. Die photodynamische Therapie besteht aus mehreren Behandlungen im Abstand von drei Monaten. Billig ist die photodynamische Therapie allerdings nicht: Der Farbstoff für eine einzige Infusion kostet zur Zeit noch etwa 3000 Mark.
Ulrich Fricke





