„Wir verhelfen Ihnen zu mehr Zitierungen“, hieß es beispielsweise in einer Werbeanzeige, über die Nick Wise, Ingenieur für Strömungsmechanik an der Universität Cambridge, eines Tages auf Facebook stolperte. Beigefügt waren Vorher- und Nachher-Screenshots von Google Scholar-Profilen einiger Wissenschaftler, die das Angebot offenbar in Anspruch genommen hatten. Google Scholar – eine Suchmaschine speziell für Wissenschaftsliteratur – sammelt in diesen Profilen sämtliche Stellen, an denen die Publikationen eines Forschers zitiert wurden, und fasst sie in einer Statistik zusammen. Und tatsächlich war die Zahl der Zitate bei den gezeigten Profilen innerhalb kurzer Zeit um mehrere Hundert gestiegen. Im Grunde handelt es sich also um eine Art akademisches Facelifting.
Doch wie funktioniert es? Nick Wise schickte die Facebook-Anzeige an seinen Freund Reese Richardson, der über Metawissenschaften promoviert, und gemeinsam schauten sie sich die Sache genauer an: Es stellte sich heraus, dass ein Teil der Zitate aus sogenannten Paper Mills stammt, wie sie im akademischen Verlagswesen genannt werden. Bei diesen „Papiermühlen“ handelt es sich um halblegale Netzwerke von Personen, die betrügerische Publikationen erstellen und diese unter dem Namen eines zahlenden Kunden in unseriösen Fachzeitschriften veröffentlichen. Da jedoch nur wenige Menschen echtes Kauderwelsch von akademischem Kauderwelsch unterscheiden können, sehen diese Veröffentlichungen mehr oder weniger normal aus, wenn man nicht weiß, worauf man achten muss.
Weil die Papiermühlen also ohnehin bereits Unsinn produzieren, ist es nur logisch, dass sie in diesen Veröffentlichungen auch direkt die Arbeiten ihrer zahlenden Kunden zitieren. Und das ist in der Tat der Ursprung vieler dieser kaufbaren Zitierungen, wie Wise und Richardson herausfanden.
Ein weiterer Teil wird mithilfe der Online-Plattform ResearchGate generiert – einer der bizarreren Ecken der akademischen Welt. Wissenschaftler melden sich dort mit der E-Mail-Adresse ihrer Forschungsorganisation an und laden dann ihre Publikationen hoch, damit andere Forscher darauf zugreifen können. Im Grunde dient diese Plattform also dazu, die Paywalls und Urheberrechtsansprüche der akademischen Verlage zu umgehen.
Da es sich bei ResearchGate aber grundsätzlich erstmal um eine seriöse Plattform handelt, und die dort zur Verfügung gestellten Publikationen zum größten Teil tatsächlich von echten Wissenschaftlern stammen, werden sie sämtlich von Google Scholar indiziert. Die Suchmaschine behandelt also alle dort verfügbaren Arbeiten als echte Fachpublikationen und nimmt alle darin enthaltenen Zitate in die Statistiken auf. Was tun die Betrüger folglich? Sie laden Kauderwelsch-Publikationen mit benutzerdefinierten Zitaten auf ResearchGate hoch, warten darauf, dass Google Scholar sie indiziert, und schon kommt der Zitierungs-Segen.





