Der Hauptbahnhof in Dresden ist ein beeindruckendes Baudenkmal aus dem Kaiserreich. Wie bei vielen seiner Pendants aus dieser Zeit verbanden die Architekten moderne Glas- und Stahlarchitektur mit einer historisierenden Fassade aus Sandstein. Heute buhlen die Betreiber nicht nur um Bahnkunden, sondern sie vermarkten die Station als „Einkaufsbahnhof“ mit hochwertigen Geschäften und Gastronomie. Wandelt man durch die von dem Stararchitekten Norman Foster modernisierte Anlage, erinnert nichts mehr an den Sommer 2002. Damals schoss ein Strom aus schlammig-braunem Wasser in Hüfthöhe durch die Eingangshalle, gurgelte über Gleise, Bahnsteige und Betriebsanlagen und legte den Zugverkehr lahm. Mitteleuropa erlebte eine der schlimmsten Hochwasserkatastrophen der vergangenen Jahrzehnte, eine wahre Jahrhundertflut.
Dresdens Bahnhof wurde letztlich Opfer einer riskanten Planung: Seine Erbauer hatten den Verkehrsknotenpunkt ausgerechnet im ehemaligen Bett des Flüsschens Weißeritz errichtet. Die längst kanalisierte und scheinbar völlig vom Menschen beherrschte Weißeritz suchte sich unter dem Druck der Wassermassen ihr altes Bett – und fand zurück in die Niederung am Hauptbahnhof. Die Natur schien sich ihr Recht zurückzuholen. …
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