Lachgas (N2O, Distickstoffmonoxid) wird in der Anästhesie seit über 200 Jahren als Betäubungsmittel eingesetzt, um Patienten kurzzeitig in Narkose zu versetzen. Dabei kommen unter ärztlicher Aufsicht nur geringe, gesundheitlich unbedenklich Mengen des Gases zum Einsatz. In den vergangenen Jahren hat sich Lachgas allerdings auch zu einer weltweit beliebten Freizeit- und Partydroge entwickelt. Dabei werden Ballons mit Lachgas gefüllt und dann das Gas eingeatmet. Zwar lässt die berauschende Wirkung nach wenigen Minuten nach, doch sie kann erhebliche Folgeschäden nach sich ziehen. Das wird zunehmend zu einem Gesundheitsproblem, auch weil einige junge Menschen regelmäßig sehr viel von dem Gas einatmen.
Bei einem solchen unsachgemäßen Gebrauch kann Lachgas das Nervensystem schädigen, weil es im Körper zu einem funktionellen Mangel an Vitamin B12 führt. Dieses Vitamin ist für die Funktion der sogenannten Myelinscheiden notwendig – jenen Hüllstrukturen, die die Nervenzellen im Körper und Rückenmark schützen. Ohne ausreichend verfügbares Vitamin B12 wird diese Schutzschicht zerstört und es kommt zu Nervenschäden. Die Betroffenen haben dann Probleme zu laufen sowie taube Füße und Hände. In schweren Fällen kommt es auch zu dauerhaften Lähmungen. Die Symptome können zwar durch die Einnahme von Vitamin B12 zum Teil rückgängig gemacht werden, allerdings nicht immer vollständig.
Bei einzelnen Überdosen des Rauschmittels sind auch die Blutbildung sowie Herz und Lunge betroffen, sodass es manchmal auch zu akuten Herzrhythmusstörungen, Schlaganfällen und Atemproblemen bis hin zum Ersticken kommen kann.
Wie viele Lachgas-Konsumenten landen im Krankenhaus?
Ein Team um Yachar Dawudi vom Krankenhauszentrum in Saint-Denis hat nun im Großraum Paris untersucht, wie häufig schwere Schäden infolge von Lachgas-Konsum auftreten. Dafür erfassten die Mediziner in 78 Krankenhausabteilungen für Neurologie und Innere Medizin alle Personen über 18 Jahren, die zwischen 2018 und 2021 mit schweren Lachgas-Vergiftungen vorstellig wurden. Deren Häufigkeit verglichen sie zudem mit der Frequenz vergleichbarer neurologischer Krankheiten anhand der Krankenversicherungsdaten von 91.000 Klinikpatienten.
Das Ergebnis: Von den insgesamt 181 in Krankenhäusern erfassten Patienten wiesen 25 Prozent Schäden am Rückenmark auf, 37 Prozent eine Schädigung peripherer Nerven und 38 Prozent eine Kombination von beidem. Unter den Patienten waren vor allem junge Erwachsene mit schlechten sozioökonomischen Bedingungen: die meisten (60 Prozent) waren zwischen 20 und 25 Jahren alt und lebten in städtischen, sozial benachteiligten Gegenden; 37 Prozent waren arbeitslos, so das Team. Im Schnitt konsumierten die Betroffenen täglich 1200 Gramm Lachgas. Ihre Symptome traten zwischen zwei und zwölf Monaten nach dem Lachgaskonsum auf. In einigen Fällen führte bereits das inhalierte Lachgas aus vier Luftballons nach sieben Wochen zu schweren Nervenschäden. Der Schwellenwert für das Risiko, schwere Gesundheitsprobleme durch Lachgas zu bekommen, liegt damit deutlich unter dem Konsum vieler junger Menschen, wie die Neurologen berichten.





