Ohne den globalen Klimawandel zu leugnen, spürt Behringer in einem faktenreichen Durchgang durch die Erd- und Weltgeschichte den offenen und versteckten Wirkungen des Klimas auf die Kultur nach. Er kann zeigen, dass Warmphasen, selbst mit höheren Durchschnittstemperaturen als heute, im Lauf der Geschichte keineswegs zwangsläufig negative, sondern mitunter erhebliche positive Folgen zeitigten. Sie gehören allem Anschein nach zu den großen treibenden Entwicklungsfaktoren, welche unter anderem die Neolithische Revolution und die Entstehung der alten Hochkulturen bewirkten. Tröstlich erscheint auch, dass eine Kaltphase, etwa die „Kleine Eiszeit“ zwischen dem 14. und dem 19. Jahrhundert, wohl fürchterliche Tribute forderte, aber in Europa schließlich doch die Entwicklung der modernen Wissenschaft und die Förderung der Vernunft anstieß.
Zu Recht rät Behringer Klimaforschern zur Mäßigung, wenn sie sich zur Geschichte des Klimas äußern, ohne die kulturellen Reaktionsmöglichkeiten früherer Gesellschaften mitzubedenken. Das in den Archiven und Bibliotheken gespeicherte Erfahrungswissen der Menschheit, um das sich die Historiographie müht, sagt uns nicht, wie die Zukunft aussehen wird, doch es kann uns helfen, mit historischen Veränderungen vernünftig umzugehen. Wer angesichts der mit dem Klimawandel verbundenen Probleme nicht nur auf die Apokalyptiker hören will, kommt um dieses kluge und nachdenkliche Buch nicht herum.
Rezension: Münch, Paul





