Der Band hat den Anspruch, die eindimensionale Sicht der traditionellen Militärgeschichte aufzubrechen, indem der einfache Soldat auf dieselbe Ebene gestellt wird wie der Feldherr. Dies wirkt umso glaubwürdiger, da nicht nur Schlachten von weltgeschichtlichem Format, sondern auch kleinere, eher unbekannte Auseinandersetzungen herangezogen werden. Anstatt das Thema dabei auf eine Aneinanderreihung unterschiedlicher individueller Gewaltbeschreibungen zu reduzieren, untersuchen die Autoren konkrete Einzelheiten der Schlachtenberichte aus der Zeit von der Antike bis zur Landung der Alliierten in der Normandie 1944. Analysiert werden unter anderem der Einfluss von Hunger und Erschöpfung der Truppen auf Entscheidungen des Feldherrn, Kämpfe bei Nacht und deren psychologische Auswirkungen sowohl auf die eigenen Soldaten als auch auf den Gegner sowie die Wahrnehmung dieser „Hinterlist“ beziehungsweise „Taktik“ durch die Zeitgenossen. Andere Beiträge behandeln die Nachwirkungen einer Schlacht, wie etwa die Rezeption der Entscheidung des Siegers, den gefallenen Gegnern keine christliche Bestattung zukommen zu lassen und die Etablierung einer Memorialkultur in Form von Denkmälern am Ort eines kriegerischen Konfliktes.
Auch Definitionsproblematiken der Geschichtswissenschaft werden immer wieder aufgegriffen: Wie definiert man eine Schlacht in Abgrenzung zu einem Scharmützel? Wer beurteilt, wer gewonnen hat und wie entscheidend der Ausgang ist? Wie verlässlich können Berichte von aktiven Teilnehmern eines Kampfes überhaupt sein? Dazu geben die Autoren eher Anregungen als fest zementierte Antworten.
Insgesamt wird dem Leser ein völlig anderer Blick auf unterschiedliche, traditionell eher wenig beachtete Aspekte der Kriegsgeschichte ermöglicht. Eine Anleitung, wie die Erfahrungen aller Kampfteilnehmer zu einer „histoire totale“ aufbereitet werden kann, geben die Autoren nicht – jede Aufarbeitung kann nur eine Reduktion des Ganzen bleiben.
Rezension: Debora Pape




