Das Abbinden war auch einer der ersten Belege dafür, dass das Blut in uns zirkuliert – beziehungsweise eben nicht mehr so gut, wenn man es unterbindet. Heute ist uns die Vorstellung eines Blutkreislaufes, bei dem Arterien vom Herzen weg und Venen zum Herzen zurückführen, gut vertraut. Doch das war nicht immer so. Seit der Antike bis weit ins 17. Jahrhundert galt es als allgemeine Lehrmeinung, dass das Blut ständig in der Leber aus verdauter Nahrung gebildet wird, im Herzen durch Poren von einer Kammer in die andere sickert, dort mit einer Art Lebensgeist angereichert wird und dann in den Körper gepumpt und verbraucht wird. Erst am 17. April 1616 hat der englische Arzt William Harvey in London im Rahmen einer Vorlesung sein Konzept des Blutkreislaufes präsentiert und gilt seither als sein Entdecker. Natürlich war er nicht als Erster auf die Idee gekommen. Solche Dinge entwickeln sich immer über längere Zeiträume. Zudem hat Harvey zur selben Zeit noch Sachen behauptet, die heute nicht besonders schlau klingen: Zum Beispiel, dass das Gehirn ab und zu wachsen könne, etwa bei Vollmond oder wenn man schreit. Und er konnte zu seinem großen Bedauern auch noch nicht erklären, wie das helle arterielle Blut zum dunklen venösen wurde. Die dafür verantwortlichen Kapillaren wurden nämlich erst ein paar Jahre nach seinem Tod entdeckt.





