Dass sich das Universum ausdehnt, ist seit fast hundert Jahren bekannt. Das Tempo dieser Expansion und der genaue Wert der Hubble-Konstante H0, die dieses Verhalten beschreibt, sind jedoch strittig. Denn je nach gewählter Messmethode ergeben die Messungen abweichende Werte. Der erste Messansatz beruht auf der komischen Hintergrundstrahlung, einem Relikt der Strahlung, die rund 380.000 Jahre nach dem Urknall erstmals frei wurde. Dieser schwache Mikrowellenhintergrund ist überall im Kosmos präsent. Er enthält Merkmale, aus denen man auf Basis theoretischer Modelle der kosmischen Entwicklung die Expansionsgeschwindigkeit ableiten kann. Diese auf dem kosmologischen Standardmodell beruhenden Messungen kommen für die Hubble-Konstante auf Werte von rund 67 Kilometer pro Sekunde pro Megaparsec. Der zweite Ansatz nutzt die Entfernungen und Rotverschiebung von kosmischen Objekten wie Supernovae, veränderlichen Sternen oder Roten Riesen, um diesen Wert zu bestimmen. Diese Messungen ergaben Hubble-Konstanten von im Mittel 73 Kilometer pro Sekunde pro Megaparsec – und damit einen deutlich höheren Wert.

Unabhängige Messmethode gesucht
Der Grund für diese sogenannte Hubble-Spannung ist bisher unbekannt, ebenso, welcher Wert der korrekte ist. Im Extremfall könnte dies jedoch bedeuten, dass das kosmologische Standardmodell falsch ist und damit auch die Grundannahmen zu Struktur und Entwicklung des Universums. Entsprechend wichtig wäre es, eine Messmethode zu finden, die unabhängig von den beiden existierenden Ansätzen funktioniert. Einen Ansatz dafür könnten Supernovae bieten, die in direkter Linie hinter einem massereichen Vordergrundobjekt stehen. Dieses Vordergrundobjekt wirkt dann wie eine Gravitationslinse, die die Raumzeit krümmt. Dadurch wird das Licht der fernen Supernova auf spezielle Weise gebeugt, die Strahlen legen unterschiedlich lange Wege zum Beobachter zurück. Als Folge erscheint das Abbild der Supernova verzerrt und in mehreren, ein winziges bisschen zeitversetzten Kopien. Aus den Zeitverzögerungen zwischen den einzelnen Bildern können Astronomen dann die Expansionsrate des Universums bestimmen. „Im Gegensatz zur kosmischen Entfernungsleiter ist dies eine Messung in einem Schritt mit weniger und völlig anderen Quellen systematischer Unsicherheiten“, erklärt Erstautor Stefan Taubenberger von der Technischen Universität München.





