Manche kosmische Leuchtpunkte sind komplexer, als es zunächst scheint – das ist auch bei HD265435 der Fall. Dieses etwa 1500 Lichtjahre von uns entfernte System steht im Visier der Wissenschaftler um Ingrid Pelisoli von der University of Warwick. Wie sie berichten, ging aus ihren Beobachtungen zunächst hervor, dass es sich um ein Doppelsternsystem handelt, das aus einem heißen „Unterzwerg“ und einem weißen Zwergstern besteht, die sich eng umkreisen. Weiße Zwerge sind “tote” Sterne, die ihren gesamten Brennstoff verbrannt haben und in sich selbst kollabiert sind, wodurch sie klein und blass, aber extrem dicht sind.
Ein explosives Duo im Visier
Ein besonders interessanter Aspekt der Weißen Zwerge ist, dass sie unter bestimmten Umständen wieder zünden können, wodurch es zu einer Supernova des Typs Ia kommt. Zu der thermonuklearen Explosion führt dabei ein bestimmtes Merkmal: Der Weiße Zwerg muss das 1,4-fache der Masse unserer Sonne erreichen, was als Chandrasekhar-Limit bekannt ist. Dies kann dadurch entstehen, dass er Material von außen zugeführt bekommt. Wie Pelisoli und ihre Kollegen berichten, ist genau dies beim Doppelsternsystem HD265435 offenbar der Fall.
Im Rahmen ihrer Untersuchungen nahmen sie das Duo mit dem Transiting Exoplanet Survey Satellite (TESS) der NASA ins Visier. Wie sie erklären, ist nur der heiße Zwerg des Systems zu beobachten, nicht aber der Weiße Zwerg, da er von seinem Partner überstrahlt wird. Er macht sich allerdings indirekt deutlich bemerkbar: Mithilfe von Radialgeschwindigkeits- und Rotationsgeschwindigkeitsmessungen und durch die Modellierung der Wirkung des massereichen Objekts auf den heißen Unterzwerg konnten die Astronomen auf die Masse des Weißen Zwergs schließen. Er ist demnach so schwer wie unsere Sonne, besitzt dabei aber nur etwa den Durchmesser der Erde.
Für eine Typ-Ia-Supernova würde diese Masse allein somit nicht ausreichen – doch ein Zuwachs zeichnet sich ab, wie die Astronomen berichten. Die TESS-Daten zeigen Variationen der Helligkeit im Laufe der Zeit, was darauf hindeutet, dass der heiße Unterzwerg durch das nahe massereiches Objekt in eine Tropfenform gezerrt wird. Zusammen mit der Masse des heißen Unterzwerges, der etwas mehr als das 0,6-fache der Masse unserer Sonne besitzt, können die beiden gemeinsam das Chandrasekhar-Limit erreichen und somit eine Supernova vom Typ Ia auslösen, sagen die Wissenschaftler. Bisher wurden nur wenige andere Sternsysteme entdeckt, die diesen Grenzwert wohl erreichen und damit in einer Supernova vom Typ Ia enden werden.
Massenzuwachs bis zum Paukenschlag
“Beim aktuellen Fall ist eine Möglichkeit, dass der Weiße Zwerg bereits genug Masse vom heißen Unterzwerg aufnimmt, indem diesem Materie entweicht und auf den Weißen Zwerg fällt. Eine andere Möglichkeit ist, dass sie sich bis zum Verschmelzen näherkommen, weil sie Energie durch Gravitationswellenemissionen verlieren. Sobald der Weiße Zwerg bei beiden Szenarien genug Masse gewinnt, wird er dann zur Supernova”, erklärt Pelisoli. Aus Modellierungen der Forscher geht hervor, dass der Weiße Zwerg samt seinem Partner in etwa 70 Millionen Jahren unweigerlich in dem thermonuklearen Inferno enden wird.





