Schon seit dem Raumflug der Apollo 11 Kapsel ist bekannt, dass Astronauten während des Fluges oftmals grelle Lichtblitze verspüren ? und zwar selbst bei geschlossenen Augen. Forscher vermuten seit längerem, dass die Ursache dieses Phänomens kosmische Strahlen sind, die auf der Netzhaut auftreffen und dort einen elektrischen Impuls auslösen. Einer neuen Studie zu Folge können sowohl schnelle Protonen als auch schwerere Atomkerne die Lichtblitze verursachen. Darüber berichtet das Magazin Nature (Band 422, Seite 680).
Die unter der Leitung von Marco Casolino von der Tor-Vergata-Universität in Rom verfasste Studie analysiert die Häufigkeit von Lichtblitzen, die ein Astronaut auf der russischen Raumstation MIR während einer Erdumrundung verspürt hatte. Um die Lichtblitze mit dem Einfall kosmischer Strahlen korrelieren zu können, trug der Astronaut dabei einen Hut, der mit Detektoren für sowohl Protonen als auch schwerere Atomkerne versehen war.
Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass die Zahl der ?Einschläge? von Protonen auf den Kopf des Astronauten allein die Häufigkeit der Lichtblitze nicht erklären konnte. Daher müssen neben Protonen auch schwerere Atomkerne an der Erzeugung der Lichtblitze beteiligt sein.
Interessanterweise nahm die Anzahl der Lichtblitze zu, als die MIR über einen bestimmten Bereich des Atlantiks oberhalb der brasilianischen Küste flog. In dieser als “Südatlantische Anomalie” bezeichneten Zone ist das Magnetfeld der Erde im All abgeschwächt. Da das Magnetfeld als Schutzschild für kosmische Strahlen ? insbesondere Protonen ? dient, konnten in dieser Zone viel mehr Protonen als sonst den Kopf des Astronauten treffen. Die Häufigkeit der Lichtblitze war in der Tat in diesem Bereich erhöht ? von im Mittel 0.06 Blitzen auf 0.15 Blitze pro Minute.
Die Forscher glauben daher, dass die Lichtblitze sowohl beim Auftreffen von Protonen als auch von schwereren Atomkernen auf die Netzhaut verursacht werden. Während letztere stark genug sind, um die Lichtblitze direkt auszulösen, würden die Protonen beim Einschlag auf die Netzhaut eine Kettenreaktion von Teilchenschauern auslösen, die schließlich zu einem elektrischen Impuls und damit einem “Lichtblitz” führen.
Stefan Maier





