Dank einer Art “kosmischer Fata Morgana” ist es einem internationalen Astronomenteam gelungen, einen 25.000 Lichtjahre entfernten Stern als räumlich ausgedehntes Objekt wahrzunehmen. Das meldet die Europäische Südsternwarte (ESO).
Teleskope auf der Erde können Sterne nur als punktförmige Objekte darstellen. Aus dem Licht der Sterne kann man zwar Rückschlüsse auf die chemische Zusammensetzung des jeweiligen Sterns ziehen. Aber wie die chemischen Elemente zwischen der Sternatmosphäre und dem Sterninnern verteilt sind, kann man normalerweise nicht feststellen.
Den Astronomen kam bei ihren Beobachtungen ein Effekt zu Hilfe, der bereits zu Anfang des 20. Jahrhunderts von Albert Einstein in seiner Relativitätstheorie vorhergesagt wurde: Licht kann durch massereiche Objekte wie beispielsweise Sterne abgelenkt werden. Immer dann, wenn ein naher, lichtschwacher Stern genau vor einem weiter entfernten Stern vorbeizieht, wirkt der nahe Stern auf das Licht des entfernten wie eine Vergrößerungslinse. Ein lichtstarker Stern würde das natürlich auch tun, doch sein eigenes Licht würde das des entfernten überstrahlen.
Das Problem dabei: Diese sogenannten Microlensing-Ereignisse können nur sehr schwer vorausgesagt werden. Und wenn sie zufällig beobachtet werden, stehen in der Regel nicht die benötigten Analyseinstrumente zur Verfügung.
Deshalb war es ein einmaliger Glücksfall, als im Juni 2000 eine Beobachtungsgruppe ein Microlensing-Ereignis registrierte, das einen ungewöhnlich plötzlichen Helligkeitsanstieg zeigte. Die auf solche Phänomene spezialisierte Astronomengruppe PLANET erkannte sofort, dass dieses Ereignis von einem Doppelsternsystem verursacht wurde und dass deshalb einige Wochen später der Gravitationslinseneffekt ein zweites Mal auftreten würde.
PLANET beantragte daraufhin bei der ESO Beobachtungszeit auf dem Paranal-Observatorium in Chile. Anfang Juli konnte die Gruppe das zweite Microlensing-Ereignis dann bestens ausgerüstet beobachten. Innerhalb von vier Tagen wanderte der Brennpunkt der Gravitationslinse von einem Rand des entfernten Sterns EROS-BLG-2000-5 über dessen Mittelpunkt zum anderen Rand. Die Gruppe konnte registrieren, wie im Sternlicht die Stärke der Alpha-Spektrallinie des Wasserstoffs vom Rand bis zur Mitte hin zunahm und dann wieder abfiel.
Die Forscher haben ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift The Astrophysical Journal veröffentlicht.
Axel Tillemans





