Der Ursprung der Anonymen Alkoholiker liegt in der US-Stadt Akron im Jahr 1935. Damals suchten zwei Männer nach dem besten Weg, ihre Alkoholsucht zu überwinden und gründeten die erste Selbsthilfegruppe. Im Laufe der Zeit entwickelte sich daraus das Konzept der regelmäßigen, von Laien geleiteten und organisierten Treffen und das Programm der zwölf Schritte. Am Anfang steht dabei die Einsicht, dass man sein Trinken nicht mehr allein kontrollieren kann, das Eingeständnis seiner Sucht gegenüber anderen und die Bereitschaft, suchtfördernde Verhaltensweisen zu ändern. Ebenfalls Teil des Programms ist die Betreuung neuer Teilnehmer durch schon länger trockene Paten. Inzwischen existieren weltweit mehr als 118.000 AA-Gruppen mit zusammen mehr als zwei Millionen Mitgliedern.
Therapien im Vergleich
Allerdings sind die Anonymen Alkoholiker wegen ihrer teilweise quasi religiösen Züge und der von Laien geleiteten Gruppen nicht unumstritten. Vor allem Psychologen und Suchttherapeuten bezweifeln oft, dass diese Methode besser funktioniert als gezielte Verhaltens- oder Motivationstherapien, wie auch Hauptautor Keith Humphreys von der Stanford School of Medicine bestätigt: “Ich dachte: Wie können diese Leute es wagen, einfach die Dinge zu tun, für die ich all diese Abschlüsse habe”, so der Forscher. Um der Frage nachzugehen, wie gut die Anonymen Alkoholiker ihren Teilnehmern tatsächlich helfen, haben er und seine Kollegen dazu nun eine vergleichende Analyse durchgeführt. Dafür werteten sie die Daten von 27 Studien mit zusammen 10.565 Teilnehmern aus und verglichen AA und Zwölf-Schritte-Programme mit klassischen klinischen Therapieformen. Sie ermittelten dabei, ob und wie stark sich bei den Teilnehmern das Maß ihres Trinkens reduzierte, wie lange sie abstinent blieben und welchen Effekt dies auf ihren Gesundheitszustand hatte.
Die Auswertungen ergaben: Alkoholiker, die mithilfe von AA versuchten, trocken zu werden, hatten eine mindestens ebenso gute, oft sogar bessere Chance auf Erfolg. Folgten die AA-Gruppen streng den Regeln des Zwölf-Punkte-Programms, lag die Erfolgschance sogar deutlich höher: 42 Prozent der AA-Teilnehmer waren auch ein Jahr nach Beginn der Therapie trocken, bei den klassischen Methoden wie beispielsweise der kognitiven Verhaltenstherapie waren es dagegen nur 35 Prozent. Die meisten der AA-Teilnehmer waren zudem auch 24 und 36 Monate nach Beginn der Therapie noch abstinent, wie die Forscher berichten. Bei den Alkoholikern, die keine komplette Abstinenz schafften, sank zumindest die Intensität des Trinkens genauso stark wie bei den klassischen Therapien. Auch bei den Suchtsymptomen und dem gesundheitlichen Zustand waren die Ergebnisse für AA genauso gut wie die der anderen Methoden.





