Ludwig Beck und Franz Halder waren beide Generalstabschefs des deutschen Heeres im „Dritten Reich“, Beck von 1933 bis 1938, Halder folgte ihm von 1938 bis 1942. Beck war einer der Architekten der deutschen Aufrüstung, die Hitler das Kriegsinstrument in die Hand gab. Halder exekutierte Hitlers Blitzfeldzüge bis kurz vor der Katastrophe von Stalingrad. Beide gehörten nicht zu der junkerlichen Militärelite der preußischen Kernlande. Beck, geboren 1880 in Biebrich bei Wiesbaden, war Rheinhesse, Halder, vier Jahre jünger, war protestantischer Bayer aus Würzburg. Beide entstammten nicht-peußischen Militärfamilien. Unter Becks Vorfahren gab es von väterlicher wie mütterlicher Seite eine ganze Reihe hessischer Generäle, auch wenn sein Vater als erfolgreicher Unternehmer und Wissenschaftler eine Ausnahme von dieser militärischen Tradition machte. Halders Familie stellte der bayerischen Armee seit Ende des 17. Jahrhunderts Offiziere.
Im Gegensatz zu vielen ihrer Kollegen in der höchsten Führung von Reichswehr und Wehrmacht waren Beck und Halder keine Zöglinge des Kadettenkorps, in dem die preußische Militärelite von zartester Jugend an für die Führung in Militär und Staat vorbereitet wurde. Sie absolvierten vielmehr mit Auszeichnung ein humanistisches Gymnasium. Beide wurden Artillerieoffiziere: Beck ging in ein preußisches Regiment im Elsass, Halder trat in das bayerische „Stammregiment“ der Familie ein, das sein Vater damals kommandierte.
Beide fielen rasch als sehr intelligente, strebsame und militärisch ausgezeichnet veranlagte Offiziere auf. Kein Wunder, dass sie sich rasch für höhere Verwendung qualifizierten: Beck kam 1908 auf die preußische Kriegsakademie nach Berlin; nach seinem Vorgesetzten zeichnete er sich als „der bei weitem größte Könner … aus dem ganzen Jahrgang“ aus. Halder wurde 1911 auf die bayerische Kriegsakademie nach München versetzt; er ging 1914 als Lehrgangsbester ab. Beide Männer waren durchaus kritische Absolventen. Beck vermisste im Curriculum politische und sozioökonomische Inhalte, Halder kritisierte die rein militärisch-fachliche Ausbildung.
Auch im Ersten Weltkrieg glichen sich die Karrieremuster, sieht man von den altersbedingten Unterschieden ab. Beide wurden ausschließlich in Stabsstellungen auf Divisions- und Armeekorpsebene verwendet; keiner führte eine Einheit unmittelbar vor dem Feind in den Kampf. Indes gewannen sie in ihren Stabsverwendungen vor Verdun und an der Somme doch Erfahrungen mit dem modernen Krieg der Materialschlachten. Aufgrund ihrer Leistungen wurden sie in den Stab einer Heeresgruppe versetzt. Dort erhielten beide trotz ihres relativ niedrigen Rangs nähere Einblicke in die allgemeine strategische Lage und die Kriegspolitik des Reichs unter der von Erich Ludendorff dominierten 3. Obersten Heeresleitung. Und wurden mit der nüchtern-kritischen Lagebeurteilung der jeweiligen Heeresgruppenführung konfrontiert. Deren führende Männer sahen keine Aussicht mehr, den Krieg siegreich zu beenden, und befürworteten, wenngleich vergeblich, eine rasche politische Lösung. Für beide Offiziere war diese Zeit eine wichtige politisch-strategische Lernphase.




