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Konservierungsmittel könnten Bluthochdruck begünstigen
Gesundheit & Medizin

Konservierungsmittel könnten Bluthochdruck begünstigen

Frische Lebensmittel sind gesünder als hochverarbeitete Produkte mit vielen Zusatzstoffen. Eine große epidemiologische Studie deckt nun eine mögliche Verbindung zwischen zahlreichen Konservierungsmitteln und Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf. Darunter sind auch überraschende Kandidaten wie Vitamin C und Zitronensäure,…
Autor
Redaktion
21. Mai 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Gesundheit & Medizin

Die meisten industriell verarbeiteten Lebensmittel enthalten zahlreiche Konservierungsmittel, die ihre Haltbarkeit verlängern sollen. Sogenannte nicht-antioxidative Zusatzstoffe wie Nitrite und Sorbate hemmen das Wachstum schädlicher Mikroben wie Schimmelpilzen und Bakterien; antioxidative Zusatzstoffe wie die Vitamine C und E verhindern dagegen, dass sich Lebensmittel durch Oxidation verfärben oder ranzig werden. Welche Konservierungsmittel in einem Produkt enthalten sind, ist anhand der E-Nummern in der Zutatenliste ersichtlich.

Große epidemiologische Studie

„Experimentelle Studien deuten darauf hin, dass einige Konservierungsstoffe der Herz-Kreislauf-Gesundheit schaden könnten, aber wir hatten bisher nicht genügend Belege für die Auswirkungen dieser Inhaltsstoffe auf den Menschen“, sagt Anaïs Hasenböhler vom französischen Nationalen Institut für Gesundheit und medizinische Forschung INSERM. Um mögliche schädliche Einflüsse aufzudecken, haben Hasenböhler und ihr Team nun die Ergebnisse einer großen epidemiologischen Studie in Frankreich auf mögliche Assoziationen zwischen Konservierungsmitteln und Herz-Kreislauf-Erkrankungen ausgewertet.

Insgesamt nahmen 112.395 Freiwillige an der Studie namens NutriNet-Santé teil und führten alle sechs Monate jeweils für ein bis drei Tage ein Ernährungsprotokoll. Zusätzlich stellten sie umfangreiche Informationen zu ihrer Gesundheit und ihrem Lebensstil zur Verfügung. Die Forschenden werteten aus, welche und wie viele Konservierungsstoffe die Personen zu sich genommen hatten und setzten dies in Beziehung zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die innerhalb des Beobachtungszeitraum von durchschnittlich sieben bis acht Jahren auftraten.

Die Menge macht‘s

Wie das Forschungsteam feststellte, nahmen nahezu alle Testpersonen Lebensmittel mit Konservierungsstoffen zu sich. Bei der Menge gab es allerdings bedeutende Unterschiede – und diese spiegelten sich auch beim Blick auf die Herz-Kreislauf-Erkrankungen wider: Menschen, die die größten Mengen an nicht-antioxidativen Konservierungsstoffen zu sich nahmen, hatten demnach ein um 29 Prozent höheres Risiko für Bluthochdruck als diejenigen, die am wenigsten davon aßen. Ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall und Angina pectoris war um 16 Prozent erhöht. Auch antioxidative Zusatzstoffe waren mit einem erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko assoziiert: Personen, die besonders viele antioxidative Konservierungsmittel zu sich nahmen, hatten ein um 22 Prozent erhöhtes Risiko für Bluthochdruck.

Für die 17 am häufigsten konsumierten Konservierungsmittel werteten Hasenböhler und ihr Team zudem die jeweilige Risikoassoziation einzeln aus. Dabei identifizierten sie acht Kandidaten, die nach geltendem Lebensmittelrecht als unbedenklich eingestuft werden, aber in der Analyse mit Bluthochdruck in Verbindung standen. Neben Kaliumsorbat (E202), Kaliummetabisulfit (E224) und Natriumnitrit (E250) zählten dazu auch Vitamin C (Ascorbinsäure, E300) und seine verwandten Verbindungen Natriumascorbat (E301) und Natriumerythorbat (E316) sowie Zitronensäure (E330) und Rosmarinextrakte (E392). Für Vitamin C beobachteten die Forschenden zudem eine Assoziation mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Kausalität noch unklar

Einige dieser Verbindungen, darunter Zitronensäure und Rosmarinextrakte, galten bisher als Schutzfaktoren gegen Bluthochdruck. „In Tiermodellen zeigten sie potenzielle blutdrucksenkende Wirkungen“, berichten die Forschenden. Als Erklärung, warum diese eigentlich schützenden Verbindungen den gegenteiligen Effekt haben könnten, mutmaßt das Team: „Eine geringe Exposition beim Menschen könnte zu einer langfristigen Anpassung führen, bei der sich anfängliche blutdrucksenkende Reaktionen und blutdrucksteigernde Reaktionen ausgleichen. Es sind weitere Untersuchungen erforderlich, um zu klären, wie sich diese Zusatzstoffe auf die Gefäßfunktion auswirken.“

Auch Vitamin C gilt eigentlich als förderlich für die Gesundheit von Herz und Gefäßen. Die Struktur des Vitamins ist immer die gleiche, egal ob es aus frischem Obst und Gemüse stammt oder als Lebensmittelzusatzstoff oder Vitaminpräparat aufgenommen wird. Doch womöglich könnten die Dosis sowie Wechselwirkungen mit anderen Lebensmittelinhaltsstoffen beeinflussen, ob sich Vitamin C positiv oder negativ auf das Herz-Kreislauf-System auswirkt, spekulieren die Forschenden.

Zudem betonen sie, dass ihre Studie nicht dazu angelegt ist, kausale Zusammenhänge nachzuweisen. Stattdessen kann sie nur Assoziationen aufdecken, die dann in weiteren Studien überprüft werden müssen. Solche Studien will das Team nun durchführen, um besser zu verstehen, ob und wie bestimmte Zusatzstoffe das Krankheitsrisiko erhöhen. „In der Zwischenzeit stützen unsere Ergebnisse bestehende Empfehlungen, unverarbeitete und minimal verarbeitete Lebensmittel zu bevorzugen und unnötige Zusatzstoffe zu vermeiden“, sagt Hasenböhlers Kollegin Mathilde Touvier.

Quelle: Anaïs Hasenböhler (Université Sorbonne Paris Nord and Université Paris Cité, INSERM) et al., European Heart Journal, doi: 10.1093/eurheartj/ehag308

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