Zwei Ausgangsbeobachtungen strukturieren den Forschungsverbund: Erstens brachte der Thüringen-Monitor von 2015 zutage, dass nahezu zwei Drittel der Thüringer eine „positive Einstellung“ zur DDR haben. Dies waren zehn Prozent mehr als zehn Jahre zuvor. Zwar lehnt eine Mehrheit das politische System der SED-Diktatur als „Unrechtsstaat“ ab, hat aber positive Erinnerungen an den vermeintlichen „gesellschaftlichen Zusammenhalt“. Die Gesellschaft wird somit als Gegenpol zu den Herrschenden verstanden und die Gemeinschaft als Ort jenseits der Diktatur. Das politische System und der Alltag sind in dieser Sichtweise beinahe unverbunden, und diese Trennung wurde von der historischen Forschung allzu oft reproduziert…
Autor: Prof. Dr. Jörg Ganzenmüller




