Am Uranfang des Universums gab es nur die Elemente Wasserstoff und in geringeren Teilen Helium und Lithium. Die nächst schwereren Atomsorten wurden dagegen erst durch die Kernfusion im Inneren von Sternen gebildet. Doch dieser Fusionsprozess sonnenähnlicher Sterne kann nur Elemente bis zum Eisen erzeugen. Für noch schwerere Atomkerne reichen Druck und Hitze im Sterneninneren nicht aus. Damit sie mithilfe des schnellen Neutroneneinfangs im (r-Prozess) gebildet werden können, müssen extrem hohe Temperaturen und hohe Neutronendichten zusammentreffen. Gängiger Theorie nach ist dies nur bei Supernova-Explosionen und beim Verschmelzen zweier Neutronensterne der Fall. Bei extrem schweren Elementen wie den radioaktiven Actinoiden Plutonium oder Curium gehen Forscher davon aus, dass nur die Kollision von Neutronensternen genügend Energie freisetzt, um diese Atomkerne zu erschaffen.
Spurensuche im Umfeld der Urwolke
Das weckt die Frage, woher die Erde und die Planeten des Sonnensystems diese schweren Elemente bekommen haben, denn von der Sonne können sie nicht stammen. Um das herauszufinden, haben nun Imre Bartos von der University of Florida und Szabolcs Marka von der Columbia University Isotopendaten von Meteoriten mit einer Simulation der Ereignisse in der Umgebung des Entstehungsgebiets des Sonnensystems kombiniert. “Meteoriten, die im frühen Sonnensystem gebildet wurden, tragen in sich die Spuren der damaligen radioaktiven Elemente”, erklärt Bartos. “Denn die Tochterprodukte der damals vorhandenen Isotopen aus dem r-Prozess wurden in Hochtemperatur-Kondensaten konserviert, die in Meteoriten zu finden sind.” Für ihre Studie ermittelten die Forscher zunächst mithilfe solcher Meteoritendaten, welche Mengen dieser Actinoide im frühen Sonnensystem vorhanden waren. Dann nutzten sie die numerischen Simulationen, um die wahrscheinlichste Quelle dieser Elemente in der solaren Umgebung zu bestimmen.
Die Auswertung ergab: Die Menge an radioaktiven Actinoiden wie Plutonium und Curium in der Urwolke des Sonnensystems war deutlich höher als im interstellaren Medium der Milchstraße. Auch Supernovae scheiden nach den Berechnungen von Bartos und Marka als Hauptquelle dieser schweren Elemente aus. Bleibt die Neutronenstern-Kollision: “Eine einzelne Quelle sticht als primäre Quelle der kurzlebigen r-Prozess-Isotope heraus”, berichten sie. “Demnach gab es wahrscheinlich eine Neutronenstern-Kollision, die den Großteil des Curiums und einen beträchtlichen Anteil des Plutoniums im frühen Sonnensystem produzierte.”





