An einem Frühlingstag im Jahr 1955 betrat ein Fremder den Schankraum der Gaststätte „Schwarze Pumpe“ an der Fernstraße zwischen Spremberg und Hoyerswerda. Der trostlos wirkende Gasthof stand in‧mitten einer kleinen Ansammlung von niedrigen grauen Katen, die sich entlang der Straße hinzog. Der seltsame Name „Schwarze Pumpe“, so will es die Legende, stammte aus dem Dreißigjährigen Krieg. Um die schwedische Soldateska von Plünderungen abzuhalten, hätten die Bewohner des Gehöfts die Pumpe mit schwarzer Farbe bestrichen. Dies war das übliche Zeichen dafür, dass in der Gegend die Pest wütete. So sei es gelungen, die fremden Söldner fernzuhalten.
Der Ankömmling, der im Mai 1955 mit dem Bus vom Bahnhof Spremberg gekommen war, so berichtet eine 1958 geschriebene Reportage über die Anfänge der „Schwarzen Pumpe“, setzte sich an einen der freien Tische und bestellte ein Bier. In die abgelegene Gegend, die kaum mehr als Kiefern und Sand zu bieten hatte, verirrte sich nur selten ein auswärtiger Gast, zumal einer mit Anzug und einer ledernen Aktentasche, wie sie damals höhere Angestellte oder Funktionäre der SED, der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, mit sich führten. In der Kneipe war es nun mucksmäuschenstill. In den Monaten zuvor war einiges durchgesickert. In den Wäldern der Umgebung waren Autos mit Berliner Kennzeichen und Vermessungstrupps gesehen worden. Also sprachen die Leute den Fremden an, der sich nach Kräften bemühte, die Fragen zu beantworten. …
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Dr. Stefan Wolle




