Der Klimawandel heizt die Ozeane weltweit immer stärker auf, denn sie schlucken 90 Prozent der von uns Menschen verursachten Erwärmung. Doch es gibt ein Meeresgebiet, das dem globalen Trend schon seit gut 100 Jahren hartnäckig trotzt: Im Nordatlantik südlich von Grönland und Island kühlt sich das Meer ab, statt wärmer zu werden. Seit 1900 ist die Meeresoberflächentemperatur dort um rund ein Grad gesunken. Aber warum?

Veränderungen der Meeresoberflächentemperatur von 1955 bis 2021. Deutlich ist der „Cold Blob” im Nordatlantik zu erkennen. — © Rahmstorf et al./ Geophysical Research Letters, CC-by 4.0
Was verursacht den „Cold Blob“?
Was hinter diesem nordatlantischen „Wärmeloch“ oder „Cold Blob“ steckt, darüber diskutieren Klimaforscher seit Längerem. Einige Modellsimulationen legen nahe, dass diese ungewöhnliche, lokal begrenzte Abkühlung zumindest in Teilen auf die speziellen Wind- und Wetterbedingungen in diesem Meeresgebiet zurückgeht. Durch sie verliert der Ozean dort mehr Wärme als anderswo, so die Theorie.
Andere Studien deuten hingegen auf einen größeren, potenziell bedrohlicheren Zusammenhang hin. Demnach entsteht der Cold Blob, weil sich die Atlantische Meridionale Umwälzströmung (AMOC) abschwächt und einem Kipppunkt nähert. Diese Strömung, zu der auch der Golfstrom gehört, transportiert warmes, salzhaltiges Wasser aus dem tropischen Atlantik bis in den hohen Norden und wirkt dadurch als Fernheizung Europas.
Ist die atlantische Umwälzströmung schuld?
Doch diese von Temperaturunterschieden und Salzgehalten angetriebene „Umwälzpumpe“ des Nordatlantiks reagiert sensibel auf Klimaveränderungen, wie Modelle und Messdaten nahelegen.
Gerät die AMOC zu stark aus dem Gleichgewicht, kann sie dauerhaft in einen neuen Zustand umkippen – und entweder ganz stoppen oder sehr schwach werden. Wann dieser Kipppunkt droht und wie gravierend die Folgen für Erdklima und Mensch wären, ist jedoch stark umstritten. Ebenso, ob der Cold Blob etwas mit dieser Entwicklung zu tun hat.





