Wer jetzt angesichts des eigenen Sekt-Konsums zum vergangenen Jahreswechsel ein schlechtes Gewissen hat, muss sich aber keine Sorgen machen. Aus gesundheitlicher Sicht wäre es zwar mit Sicherheit besser, wenn man zu Silvester und bei anderen Anlässen nur mit stillem Wasser anstieße. Aus Sicht der Klimakrise wäre Leitungswasser noch besser, denn das Herumkutschieren von Wasser in Flaschen ist angesichts der Tatsache, dass es hierzulande in mindestens ebenso guter Qualität aus der Leitung kommt, eine der Top-Blödheiten des späten 20. Jahrhunderts. Aber ob aus der Flasche oder aus dem Wasserhahn, beides stellt definitiv nicht die Maßnahme dar, die uns am Ende retten wird.
Emissionsanalysen
Sehr viel interessanter ist da der Blick auf die Emissionen, die bei der Herstellung der Getränke entstehen. Das hat sich auch ein Team der Universität Kopenhagen vor einiger Zeit gedacht und ein sogenanntes „Life Cycle Assessment“ für verschiedene alkoholische Getränke erstellt. Dabei geht es nicht nur um das Kohlendioxid in den vergorenen und destillierten Flüssigkeiten, sondern um den kompletten Herstellungsprozess. Im Fall des Sekts müssen ja zuerst einmal Weintrauben angebaut, bis zur Reife gepflegt, geerntet und verarbeitet werden und so weiter. Bei all diesen Vorgängen wird Kohlendioxid freigesetzt, und das ist noch längst nicht alles. Man muss ihnen natürlich auch klassische Musik vorspielen, dann reifen sie zu delikateren Rebensäften. Kleiner Scherz. Den sogenannten Mozart-Effekt, wonach Menschen schlauer oder Weine besser würden, wenn man sie mit Musik des berühmten Komponisten beschallt, gibt es nicht. Beziehungsweise nur als Marketingtool, wenn man esoterische Kundschaft bedienen möchte. Die könnte zwar oft ein wenig Schläue vertragen, aber leider beißt sich hier die Katze in den Schwanz.
Zurück zum „Life Cycle Assessment“. Hierbei wird jeder Teil der Produktion berücksichtigt: von den Abgasen des Traktors, der durch die Weingärten fährt, über die Herstellung der Flaschen und die Lagerung bis zu den Emissionen der Lkw, die den fertigen Sekt in die Supermärkte bringen.
Für Bier ergab die Analyse, dass bei der Produktion pro Liter des fertigen Getränks 1 bis 1,5 Kilogramm Kohlenstoffdioxid emittiert werden. Der Großteil davon ist auf die Herstellung der Flaschen zurückzuführen, aber auch die Landwirtschaft trägt ihren Teil bei, um Hopfen und Gerste zu produzieren. Der Anbau von Weintrauben ist sogar noch ein wenig CO2-intensiver und hier ist es vor allem der Transport, der dafür sorgt, dass ein Liter Wein am Ende für bis zu sechs Kilogramm CO2-Emissionen verantwortlich sein kann.
Weit gereiste Alkoholika
Wie die großen Unterschiede zwischen Bier und Wein beim Transport zustande kommen, lässt sich durch unser Konsumverhalten erklären: Bier kaufen und trinken wir ja gerne lokal; zumindest hierzulande hat jede Stadt oder Region ihre eigenen Brauereien und Biermarken, die im gleichen Ausmaß verherrlicht werden, wie man die Brauereien und Biermarken der benachbarten Regionen grauenhaft findet. Beim Wein sind wir tendenziell anspruchsvoller und trinken schon auch gerne die regionalen Sorten – wollen aber nicht auf die weit gereisten Spezialitäten aus Frankreich, Spanien, Kalifornien oder Australien verzichten. Dazu kommt, dass man Bier zwar gerne in Flaschen abfüllt, aber auch sehr oft in Dosen, die leichter sind und daher mit weniger Emissionen transportiert werden können. Dosenwein hat sich dagegen bis jetzt noch kaum durchgesetzt und der Wein im Getränkekarton hat einen schlechten Ruf, den er zumindest aus Sicht des Klimas definitiv nicht verdient hat.





