von ANGELIKA FRIEDL
Jeder zehnte Arbeitnehmer in Deutschland leidet laut Gesundheitsreport der Krankenkasse DAK unter Ein- und Durchschlafstörungen, schlechter Schlafqualität, Tagesmüdigkeit und Erschöpfung. Frauen sind mit elf Prozent etwas häufiger betroffen als Männer mit acht Prozent. Um Schlaftabletten zu vermeiden, suchen viele nach Alternativen. Eine ist jetzt dazugekommen: Cannabidiol (CBD).
Im November 2019 wurden Produkte, die CBD enthalten, als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen. CBD ist einer der 100 Inhaltsstoffe der Cannabispflanze und damit ein Cannabinoid, genauso wie das psychoaktive Tetrahydrocannabinol (THC). Dessen berauschende Wirkung fehlt jedoch dem CBD, es macht nicht „high“ und auch nicht abhängig.
Anwender berichten aber von einer beruhigenden Wirkung. Es helfe ihnen bei Schlaflosigkeit, depressiven Verstimmungen und auch bei vielen anderen Leiden. Inzwischen wird das Hanfprodukt breit vermarktet und in unterschiedlichen Formen angeboten.
„Die Wirkungen von CBD sind komplex“, sagt Winfried Häuser, Facharzt für psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Klinikum Saarbrücken. „Es hat entzündungshemmende, schmerz- und angstlindernde und schlafanstoßende Eigenschaften. Vermutlich hat es auch einen antipsychotischen Effekt.“
Hilfreich gegen Stress
CBD wirkt auf das Endocannabinoid-System im Gehirn, das unter anderem für die Stressregulation zuständig ist. Darin kommt die ungesättigte Fettsäure Anandamid vor, die hilft, die Muskeln im Körper zu entspannen. Durch das CBD wird der Abbau dieses Stoffs gehemmt und so seine Wirkung unterstützt.
Außerdem beeinflusst CBD körpereigene Cannabinoid-Rezeptoren: den Rezeptor CB1 im zentralen Nervensystem, dessen Aktivierung Angst, Stress, Unruhe und Schmerzen lindert, sowie den Rezeptor CB2, der vor allem in den Immunzellen von Lunge und Darm sitzt und dort bei Aktivierung antientzündlich wirkt.
Eine Übersichtsarbeit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hält therapeutische Effekte von CBD für möglich, unter anderem bei Angst- und Schlafstörungen. Sicher nachgewiesen ist der therapeutische Nutzen jedoch bislang nur bei einigen seltenen Formen der Epilepsie von Kindern. Das hatten Studien der Neurologen Elisabeth Thiele vom General Hospital in Massachusetts und Orrin Devinsky von der Langone School of Medicine der University of New York zwischen 2016 und 2018 ergeben. Sie hatten mehrere Hundert Kinder untersucht, die an Krampfanfällen litten. Das CBD wirkt über die Kalziumkonzentration in den Nervenzellen und unterdrückt die epileptischen Spannungsimpulse.





