von CLAUDIA EBERHARD-METZGER
Täglich atmet ein Erwachsener mindestens 10.000 Liter Luft ein und wieder aus, nimmt dabei Sauerstoff auf und gibt Kohlendioxid ab. Nichts im Körper funktioniert ohne diesen lebenswichtigen Austausch von Gasen. Doch in der Atemluft sind nicht nur die natürlichen Bestandteile Sauerstoff (etwa 21 Prozent) und Stickstoff (etwa 78 Prozent) enthalten, sondern auch Schadstoffe wie Ammoniak, Schwefeldioxid, Stickstoffoxide, Kohlenstoffmonoxid und zahlreiche Schwebeteilchen unterschiedlicher Herkunft und Größe.
Insgesamt bringen die in Deutschland pro Jahr freigesetzten Luftschadstoffe mehr als fünf Millionen Tonnen auf die Waage. Die Atemluft enthält davon zwar deutlich weniger als ein Prozent, doch als Gefahr für Leben und Umwelt spielen sie eine überragende Rolle. Dass dreckige Luft der Gesundheit schadet, ist nicht neu – wohl aber, in welch dramatischem Ausmaß sie Menschen weltweit krank macht: Jährlich sterben nach jüngsten Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mehr als sieben Millionen Menschen vorzeitig an den Folgen von Luftverschmutzung. Und dabei geht es nicht nur um Metropolen wie Delhi, Peking, Mexiko-Stadt oder Kairo. In nahezu jedem Winkel der Erde atmen Menschen Luft ein, die die Grenzwerte der WHO für Luftqualität überschreitet und die Gesundheit gefährdet.
Im Mix der Problemsubstanzen fallen zwei besonders ins Gewicht: Stickstoffdioxid und in noch weitaus stärkerem Maße Feinstaub. Die gesundheitsschädigenden Effekte dieser beiden Schadstoffe gehen weit über Erkrankungen der Atemwege hinaus. Der gesamte Organismus wird in Mitleidenschaft gezogen, vor allem Herz und Kreislauf.
Stickstoffdioxid
NO2 ist ein stechend riechendes Gas, das bei der Verbrennung entsteht, etwa von Gas und Kohle in der Energiewirtschaft und von Kraftstoffen im Verkehr. Stickstoffdioxid steht mit anderen Schadstoffen in reger Wechselwirkung. Wenn es eingeatmet wird, gelangt es über die Nase in die oberen und tiefen Atemwege. Sobald es dort auf Schleimhäute trifft, wandelt es sich in ein Gemisch aus Stickstoffmonoxid, sogenannter salpetriger Säure und Salpetersäure um, das die Bronchien reizt.
Bei empfindlichen oder vorerkrankten Menschen kann bereits eine kurzfristige Belastung mit geringen Stickstoffdioxidmengen akute Atemwegsprobleme auslösen. Zu den besonders Gefährdeten gehören Asthmapatienten. Bei ihnen verengt Stickstoffdioxid die Bronchien, was einen Asthmaanfall hervorrufen kann. Die langfristige Belastung mit Stickstoffdioxid werten Experten der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina als „wahrscheinlich kausal“ für die Entwicklung von Asthma.
Kinder reagieren auf Stickstoffdioxid mit häufigen Bronchitis-Erkrankungen. Besonders empfindlich sind Säuglinge, da das Lungengewebe bei ihnen noch heranreift und leichter geschädigt werden kann. Hinzu kommt eine gesteigerte Sensibilität gegenüber allergieauslösenden Substanzen. Laut Studien kann eine chronische Stickstoffdioxid-Belastung außerdem zu einer erhöhten Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, zu Schlaganfällen, Herzschwäche und Bluthochdruck und zur Entwicklung der Zuckerkrankheit Diabetes mellitus vom Typ 2 führen.





