Die abwechslungsreiche und turbulente Entwicklung Zürichs wird zunächst anhand der mittelalterlichen Gesellschaft dargestellt, wobei Thomas Lau immer wieder auf touristische Attraktionen der Stadt verweist, die besichtigt werden können. Kompetent und unterhaltsam reißt das Buch entscheidende Stationen der Stadtgeschichte an und leistet so einen Beitrag für eine fundierte Städtereise. Schmunzeln kann man bei den kurzen Anekdoten aus der Stadtgeschichte, so beispielsweise über den konfessionellen Wettbewerb im „Wurstessen“ während der Reformationszeit. Porträts stadtbekannter Persönlichkeiten lockern die Darstellung auf. Verfolgt wird der Weg der Stadt in die Eidgenossenschaft im 14. Jahrhundert und der zunehmende Einfluss der Zünfte auf die politische Zusammensetzung der Reichsstadt.
Der Autor legt seinen Fokus auf die Geschicke und die Sozialstruktur der Stadt in der frühen Neuzeit, wobei besonders die Reformationszeit hervorgehoben wird. Die „Zwinglistadt“ mit ihrer calvinistischen Leitfigur Hyldrich Zwingli und ihre Bedeutung in der Reformation unterstreicht die Sonderrolle Zürichs. Der Autor beleuchtet die Auswirkungen des Calvinismus auf die Stadtgeschichte, Kultur und Bildung. Ihr Ruf als „Predigerschmiede“ für ganz Europa, aber auch die Gedanken Pestalozzis aus dem 18. Jahrhundert prägen das Selbstverständnis Zürichs.
Anhand der Unternehmerpersönlichkeit Alfred Eschel wird die soziale Frage problematisiert und leitet zu Zürich in der Moderne über. Die Wirren der beiden Weltkriege hinterließen große Herausforderungen für die Stadt, die nach Lau tatkräftig angegangen wurden. Ein Ausblick thematisiert die Chancen und Risiken einer Großstadt im 21. Jahrhundert. Die Rede ist von Förderung der Kultur, Finanzproblemen und dem schweizerischen Sonderweg außerhalb der EU.
Thomas Laus kurze Zusammenfassung der Stadtgeschichte Zürichs ist als verlässlicher und kurzweiliger Reisebegleiter für einen Ausflug in die Stadt an der Limmat bestens geeignet. Tipps, Bilder und ein Stadtplan helfen zur Veranschaulichung und Orientierung. Neue Erkenntnisse bringt das Buch aber nicht.
Rezension: Christina Reich




