Da für die Antike nur spärliche Selbstzeugnisse von Opfern zu den psychischen Konsequenzen ihrer Ausbeutung vorliegen, lassen authentische Berichte farbiger Sklavinnen in den amerikanischen Südstaaten ebenso wie aktuelle Fälle in Deutschland oder Bosnien das Leid von Sklavenkindern in griechisch-römischer Zeit zumindest erahnen. Allerdings war die exzessive Gewaltausübung, wie sie in den modernen Fällen deutlich wird, in der Antike nicht die Regel, sondern eher die Ausnahme. Die ausgewogenen und trotz anspruchsvoller Fragestellungen verständlich geschriebenen Beiträge erfassen das gesamte Spektrum der Thematik. Drei Autoren widmen sich der griechischen Epoche, nämlich den „Sklavenfamilien“, der „Kinderarbeit“ und den „kindlichen Hetären“. Zeitlich übergreifend untersucht eine Studie Mutter-Kind-Beziehungen in der antiken Sklaverei. Die römische Epoche ist durch Untersuchungen zum „Kindsein“ im Römischen Reich, zu Grabepigrammen für Sklavenkinder sowie zur Kindersklaverei in Texten römischer Juristen abgedeckt.
Sklavenkinder, konkret: Kinder versklavter Frauen, die in der Antike unabhängig vom Vater dem personalen Status der Mutter folgten, waren im frühen Alter ebenso in einen Hausverband eingebunden wie Kindersklaven, die mit oder ohne Eltern zum Kauf angeboten wurden. Arbeitseinsatz bzw. Ausbildung wurden dann durch das jeweilige Umfeld bestimmt. Bergbau und Landwirtschaft boten andere Vor-aussetzungen als Manufaktur oder Haushalt. Die sexuelle Ausbeutung durch ihre Herren dürfte in Haushalt und Verwaltung eine größere Rolle gespielt haben als in den Bereichen schwerer körperlicher Arbeit. Die Einführung des Herausgebers Heinz Heinen eröffnet einen überzeugenden Zugang zur Gesamtkonzeption des Bandes. Besonders zu würdigen ist außerdem die Einbe-ziehung von Bildzeugnissen, welche die Textbeiträge nicht nur illustrieren, sondern konstitutiv in die Argumentation eingebunden sind.
Rezension: Prof. Dr. Leonhard Schumacher





