Auf Künstlicher Intelligenz basierende große Sprachmodelle wie ChatGPT spielen für viele Menschen eine zunehmende Rolle bei der Informationsbeschaffung. Dadurch können solche Systeme zur Meinungsbildung beitragen, den politischen Diskurs formen und potenziell das Wahlverhalten beeinflussen. „Deshalb ist es von entscheidender Bedeutung, kritisch zu untersuchen, inwieweit große Sprachmodelle politisch voreingenommen sind, und potenzielle Verzerrungen anzugehen, um eine ausgewogene, faire und genaue Darstellung von Informationen in ihren Antworten auf Nutzeranfragen zu gewährleisten“, schreibt David Rozado von der Otago Polytechnic in Neuseeland.
Gesinnungstest für Sprachmodelle
Mit dieser Aufgabe hat sich Rozado in einer Studie beschäftigt. Er hat 24 große Sprachmodelle – darunter GPT-4 von OpenAI, Llama-2 von Meta, Googles Gemini und Grok von X (vormals Twitter) – verschiedenen Tests zur politischen Orientierung unterzogen. Zum Einsatz kam dabei unter anderem der Political Compass Test, der die Zustimmung zu 62 politischen Aussagen abfragt und anhand der Antworten die politische Einstellung auf einem Feld zwischen links und rechts, autoritär und libertär einordnet.
Die Fragen decken eine große Spannbreite gesellschaftlicher Themen ab: Sollten Abtreibungen legal sein? Ist die eigene Rasse anderen überlegen? Werden große Konzerne zu stark besteuert? Ist Homosexualität unnatürlich? Und sollte es Eltern erlaubt sein, ihre Kinder zu schlagen? Alle von Rozado getesteten großen Sprachmodelle landeten bei diesem Test im links-libertären Bereich – auch Modelle wie die KI Grok der Plattform X, die von ihrem Besitzer Elon Musk als „nicht-woker“ Chatbot angekündigt worden war, der weniger linke Ansichten vertreten sollte. Ähnliche Ergebnisse zeigten sich in zehn weiteren Tests zur politischen Einstellung.

Zwischen links- und rechtsextrem
Anders sah es aus, als Rozado fünf grundlegende, noch nicht mittels Finetuning ausgereifte Sprachmodelle den gleichen Tests unterzog. Diese KI-Systeme landeten bei den meisten Tests politisch in der Mitte. „Diese Ergebnisse sollten jedoch mit Vorsicht interpretiert werden, denn die Modelle neigten dazu, die Fragen nicht kohärent zu beantworten“, betont Rozado. So kam die Einstufung in der politischen Mitte bei den Basis-Modellen seiner Analyse zufolge vor allem dadurch zustande, dass diese Modelle willkürlich links- und rechtsextreme Positionen auswählten, die sich in der Gesamtauswertung gegenseitig aufhoben.





