Der Saturnmond Titan ist eine Welt, auf der Wind weht und die Strukturen auf der Oberfläche immer wieder abträgt. Tektonische Aktivität erneuert die Oberfläche ebenfalls, und womöglich fließen auch Flüssigkeiten. Das belegen die drei Vorbeiflüge der Raumsonde Cassini im vergangenen Jahr, berichtet ein internationales Forscherteam um Carolyn Porco vom Space Science Institute in Boulder in der Zeitschrift Nature (Bd. 434, S. 159).
Radarmessungen mit dem Arecibo-Teleskop hatten vermuten lassen, dass es auf Titan größere Seen oder sogar Meere, vermutlich aus flüssigem Methan, gibt. Das konnten die Cassini-Vorbeiflüge vom 2. Juli, 26. Oktober und 13. Dezember nicht bestätigen. Bei den letzten beiden Vorbeiflügen näherte sich die Raumsonde dem Mond bis auf 1.200 Kilometer, die Bildpunkte erreichten eine Auflösung von wenigen hundert Metern.
Auf den Aufnahmen, die etwa 30 Prozent der Oberfläche abdecken, sind nur fünf runde Strukturen zu sehen, die womöglich Einschlagkrater repräsentieren. Wie die Forscher berichten, müssten im Verlauf von einer Milliarde Jahre einige hundert Kometen auf dem Saturnmond einschlagen. Die geringe Anzahl von Kratern deutet darauf hin, dass die Oberfläche nur 180 bis 300 Millionen Jahre alt ist.
Die Forscher vermuten, dass sie durch tektonische Prozesse, zum Beispiel Eisvulkanismus, immer wieder verändert wird.
Die Atmosphäre von Titan dreht sich schneller als der Mond selbst, zeigen die Cassini-Messungen. Deshalb weht auf Titan ständig ein starker Ostwind, mit einer Geschwindigkeit von bis zu 34 Metern pro Sekunde. Der Wind dürfte die Oberfläche ebenfalls verändern, schreiben die Forscher.
Cassini entdeckte auch drei Typen von Wolken. Die erste Sorte trat in der Nähe des Südpols auf und ähnelt Cumulus-Wolken auf der Erde. Die zweite Wolkenart war in niedrigeren Breiten zu beobachten, löste sich aber nach wenigen Stunden schon wieder auf. Als drittes beobachtete Cassini ausgedehnte streifenförmige Wolken, die womöglich von einer Methanquelle am Boden stammen.
Ute Kehse





