Ob es auf dem Mars Leben gibt oder nicht, darüber rätseln Planetenforscher schon lange ? bislang ohne Ergebnis. Zumindest entstehen auf dem roten Planeten lange, organische Moleküle, ähnlich den Grundbausteinen des Lebens auf der Erde, berichten jetzt Forscher um Andrew Steele. Lebewesen hatten mit der Entstehung der Makromoleküle allerdings nicht zu tun, schreiben sie. Die Substanzen wurden vielmehr bei Vulkanausbrüchen zusammengebacken.
Steele und seine Kollegen untersuchten elf Mars-Meteoriten ? also auf der Erde gefundene Meteoriten, die ursprünglich vom Mars stammen. In mehreren dieser Meteoriten wurde schon vor einiger Zeit organischer Kohlenstoff entdeckt. Das heizte Spekulationen unter Planetenforschern an. Einige glaubten, dass es sich um zersetzte Überreste von Mars-Lebewesen handelte. Besonders ein Meteorit namens ALH 84001 geriet in die Schlagzeilen. In diesem Fels glaubten einige Forscher Ende der 1990er Jahre sogar, versteinerte Mars-Mikroben entdeckt zu haben. Andere Forscher nahmen dagegen an, dass irdische Moleküle die Meteoriten verunreinigt hätten – oder dass die Moleküle zumindest ohne das Zutun von Lebewesen entstanden.
Bei der neuen Studie nahmen sich Steele und seine Kollegen gleich elf Mars-Meteoriten vor und untersuchten sie mit einer Reihe besonders empfindlicher Analyse-Methoden. In zehn der elf Meteoriten konnten sie organischen Kohlenstoff nachweisen. Es handelte sich zum einen um mehr oder weniger große Graphit-Moleküle, aber auch um polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK). Diese Verbindungen entstehen auf der Erde bei der unvollständigen Verbrennung von Holz, Kohle oder Öl.
Die Forscher konnten zeigen, dass der Kohlenstoff nicht von der Erde stammen kann. Viele der Kohlenstoff-Ansammlungen befinden sich innerhalb von Kristallen, die nicht von Rissen durchzogen sind. Auch der chemische Fingerabdruck deutet auf einen außerirdischen Ursprung hin. Dass die Kohlenstoff-Moleküle in Körnern der Minerale Olivin und Pyroxen eingeschlossen sind, bedeutet aber auch, dass es sich nicht um die Überreste von Lebewesen handeln kann: Beide Minerale entstehen bei magmatischen Prozessen.
Das Alter der Meteoriten reicht von 4,2 Milliarden bis zu 190 Millionen Jahren. Sie umspannen damit die ersten Tage der Marsgeschichte fast bis zur heutigen Zeit. Dass sich in der Mehrheit der Gesteine organisches Material befand, lässt darauf schließen, dass der Mars solche Verbindungen praktisch während seiner gesamten Geschichte zusammengebraut hat. Sie seien in Mars-Basalt weit verbreitet. ?Vielleicht spielten ähnliche Prozesse auch auf der jungen Erde eine Rolle?, vermutet Steele. Für die Suche nach Leben auf dem Mars sei es wichtig, die Herkunft der organischen Moleküle zu verstehen. Sollte die Nasa-Sonde Mars Science Laboratory, die sich derzeit auf dem Weg zum roten Planeten befindet, auf PAK stoßen, sei dies jedenfalls nicht unbedingt ein Hinweis auf Leben.
In einer zweiten Studie untersuchten die Forscher organischen Kohlenstoff im Meteoriten ALH 84001. Sie fanden dabei neue Hinweise dafür, dass der Kohlenstoff ohne das Zutun von Lebewesen entstanden ist.
Andrew Steele (Carnegie Institution of Washington) et al.: Sciencexpress, Online-Vorabausgabe, doi: 10.1126/science.1220715 Andrew Steele (Carnegie Institution of Washington) et al.: American Mineralogist, Vorabausgabe, doi: 10.2138/am.2012.4148 wissenschaft.de – Ute Kehse





