Als sich Anfang Mai 1308 die Nachricht von der Ermordung König Albrechts I. aus dem Haus Habsburg wie ein Lauffeuer verbreitete, entfalteten die Fürsten sofort beinahe hektisch zu nennende Aktivitäten. Informelle Treffen, Beratungen und Absprachen sollten der Kandidatenfindung und der gegenseitigen Absicherung möglicher Thronprätendenten dienen. Ähnlich wie heute suchte man nach Koalitionspartnern, schloß Bündnisse und lockte mit Wahlversprechungen. Und sogar von außen gab es Einmischungen in die Wahlvorbereitungen: Der französische König Philipp der Schöne, der gerne seinen Bruder Karl von Valois auf dem römisch-deutschen Thron gesehen hätte, wandte sich nicht nur höchstselbst an die deutschen Kurfürsten, sondern schaltete auch Papst Clemens V. für seine Sache ein. Dieser sollte die Erzbischöfe von Mainz, Köln und Trier, deren Stimmen bei der deutschen Königswahl besonderes Gewicht hatten, im Sinne des französischen Kandidaten beeinflussen. Der Papst jedoch engagierte sich nur halbherzig, obwohl König Philipp ihn mit der Aussicht zu ködern versuchte, daß Karl von Valois nach seiner Wahl sofort einen Kreuzzug zur Wiedergewinnung des Heiligen Landes unternehmen werde.
So kristallisierte sich Graf Heinrich von Luxemburg, ein Mann von etwa 30 Jahren (die Angaben über sein Geburtsjahr schwanken zwischen 1262 und 1279!), als aussichtsreich-ster Kandidat heraus. Ihm war es durch geschickte Verhandlungen, großzügige Versprechungen und die Unterstützung seines jüngeren Bruders, des Erzbischofs Balduin von Trier, gelungen, alle drei rheinischen Erzbischöfe auf seine Seite zu ziehen. Deren Votum bei der Abstimmung zu folgen, hatten aber die meisten übrigen Königswähler inzwischen in Boppard vertraglich vereinbart, so daß Heinrichs Erfolg nichts mehr im Weg stand. Am 27. November 1308 wurde er in Frankfurt am Main von den Kurfürsten zum „Römischen König und künftig zu erhebenden Kaiser“ gewählt. Gekrönt wurde Heinrich zusammen mit seiner Gemahlin Margarete am 6. Januar 1309 im Aachener Marienstift durch den Kölner Erzbischof Heinrich von Virneburg sowie dessen Mainzer und Trierer Amtskollegen.
Der neue König trat kein leichtes Erbe an. Seine beiden Vorgänger Adolf von Nassau (1292–1298) und Albrecht I. (1298–1308) hinterließen ihm ein Reich, das über Jahre hinweg von schweren inneren Auseinandersetzungen erschüttert worden war. Viele Probleme waren immer noch nicht endgültig gelöst, so etwa die Nachfolgefrage im Königreich Böhmen, die aggressive Expansionspolitik des Grafen Eberhard von Württemberg oder die künftige Stellung der Habsburger. Zudem konnte sich Heinrichs eigene Machtbasis keineswegs mit derjenigen anderer Landesfürsten, etwa der Habsburger, messen, auch wenn seine Grafschaft etwa doppelt so groß war wie das heutige Großherzogtum Luxemburg – vielleicht mit ein Grund für seine Wahl, da die Fürsten von ihm keine so starke Einflußnahme oder Beeinträchtigung ihrer Position befürchteten. Doch Heinrich VII. hatte große Pläne: Schon Anfang Juni 1309 schickte er Gesandte nach Avignon, die in seinem Namen dem dort residierenden Papst Clemens V. den Treueid schwören und um einen Termin für die Kaiserkrönung nachsuchen sollten. Wollte Heinrich aber Deutschland den Rücken kehren und zur Krönung nach Rom ziehen, mußte er erst einmal für Frieden und Ruhe nördlich der Alpen sorgen.




