KLIMA UND WETTER haben schon immer Geschichte geschrieben. Der kalifornische Anthropologe Brian Fagan bringt dazu in seinem Buch zahlreiche beeindruckende Beispiele. So ging die Kultur der Moche in Peru um 700 n.Chr. unter, nachdem heftige Überschwemmungen und Dürren den Menschen die Lebensgrundlage entzogen hatten. 200 Jahre später zerfiel das Reich der Maya im Tiefland Mittelamerikas, weil die ausgetrockneten Felder nicht mehr genug Nahrung für das dicht besiedelte Land lieferten. Die Maya hatten Sümpfe urbar gemacht und unfruchtbaren Urwaldboden beackert. Sie reizten die Möglichkeiten aus, die ihnen das Land bot – ein Erfolg, der ihnen, als das Klima kippte, zum Verhängnis wurde.
Nicht einmal das starke Pharaonenreich am Nil war gegen Klimakapriolen gefeit. Etwa 2150 v.Chr. wäre die ägyptische Hochkultur fast zerbrochen, weil das Nil-Hochwasser jahrelang auf sich warten ließ und die Menschen hungerten. Doch es blieb bei sozialen Unruhen. Eine neue Pharaonen-Dynastie traf staatliche Vorsorge und legte Getreidevorräte für Notzeiten an.
Fagan zieht den Schluss: Man kann den Unbilden des Wetters ein Schnippchen schlagen. Mit einer vorausschauenden, vernünftigen Politik lässt sich das Schlimmste abwenden. Schlechte Karten im Klimapoker haben lediglich Kulturen mit einem unflexiblen Herrschaftssystem. Denn sie können auf eine veränderte Umwelt nicht rasch genug reagieren und geraten in den Teufelskreis von Dürre, Hungersnot, Bürgerkrieg und Untergang.
In seiner Rückschau legt Fagan einen Schwerpunkt auf Klimaanomalien, die auf „El Nino” zurückgehen – eine alle paar Jahre um die Weihnachtszeit im südlichen Pazifik auftretenden Störung mit weltweiten Auswirkungen. Ob in der Geschichte der Maya, der Moche oder der Pharaonen – stets spielte El Nino eine Schlüsselrolle.
Der große Pluspunkt des Buches: Fagan zieht keine gewagten Schlüsse oder schürt Ängste. Doch davon ist er überzeugt: Das aktuelle Klimaproblem betrifft nicht einzelne Regionen und Reiche wie in historischer Zeit, sondern die ganze Welt. Folglich „hängt das Schicksal der industriellen Zivilisation davon ab, dass die einzelnen Nationen zusammenarbeiten”. Das klingt wie ein Appell an Präsident Bush, das internationale Klimaabkommen doch noch zu unterzeichnen. Weitsichtig – denn als Fagan das Buch geschrieben hat, war Bush noch nicht im Amt.
Brian FaganDIE MACHT DES WETTERSPatmos VerlagDüsseldorf 2001278 S., DM 39,80
Klaus Jacob





