Das Kreuz mit den Publikationen ist in letzter Zeit schlimmer geworden, und die Berichte über Wissenschaftsbetrug oder Tricksereien im Zeitschriftenwesen nehmen zu. Und zwar in einem Ausmaß, dass man sich fragen kann, ob die Methode eines ehemaligen amerikanischen Präsidenten Schule macht, ununterbrochen zu lügen, zugleich den anderen „Fake!“ vorzuwerfen, und dann auch noch stolz auf sein Vorgehen zu sein. Was die Wissenschaft angeht, so soll es nicht um unvollständige oder erfundene Datensätze gehen, sondern um die lange Zeit übersehene Tatsache, dass selbst mit Wissenschaftspublikationen Geld zu verdienen ist. So entstehen „räuberische Grauzonen“, wie es das Laborjournal in seiner Ausgabe 1–2/2023 nennt: Eine Mikrobiologin wollte eine Arbeit in der Zeitschrift eines renommierten Verlags publizieren und hatte bereits über 2000 US-Dollar „Article Processing Costs“ überwiesen, als ihr auffiel, dass das gewählte Journal längst in andere Hände gelangt war, die mit ihrem Geschäftsmodell nicht so sehr Erkenntnisse publizieren, sondern schlicht Einnahmen verbuchen wollten.
Das mag ärgerlich genug sein, aber jetzt ist sogar von Multimillionen-Dollar-Geschäften die Rede, durch die sich jemand einen Platz in einer Autorenliste erkaufen kann, wie das britische Journal „Nature“ in seiner Ausgabe vom 18. Januar 2023 meldete. Der Preis dafür scheint zwischen Hunderten und Tausenden US-Dollar zu schwanken, was von dem Prestige der anvisierten Zeitschrift und dem von ihr bedienten Themenbereich abhängt. Bei diesem Geschäft ist offenbar ein System entstanden, bei dem die Namen von Käufern oder Käuferinnen nach der ersten Runde des Prüfungsvorgangs (Review) hinzugefügt werden. Doch zum Glück reagiert die Gemeinde der Wissenschaftler auf solche Betrügereien, sodass es inzwischen vermehrt zu Zurücknahmen (Retraktions) von Aufsätzen kommt, wenn in der Namensliste der Urheber verkaufte Plätze zu finden sind. Im Juli 2022 wurden allein 30 derart durch Dollarzahlungen manipulierte Arbeiten zurückgezogen, die im „International Journal of Emerging Technologies in Learning“ erschienen waren. Das muss einem wie ein Witz vorkommen. Die „Technologies in Learning“ zeigen, dass man nichts zu lernen braucht und alles kaufen kann, wenn man Karriere machen will. Karriere mit Cash. Nicht zu glauben.





