1. Irgendwo im Universum gibt es außerirdische Lebewesen, die wie Hunde aussehen.
2. Als sich vor Urzeiten die ersten Nervenzellen entwickelten, nutzten sie Penizillin als Neurotransmitter, um miteinander zu kommunizieren.
3. Beim Gedanken „Ich brauch’ ein Bier“ erzeugen 21.583 Nervenzellen eine hochkoordinierte Erregungswelle durch verschiedene Hirnareale.
Zugegeben, keine dieser Hypothesen klingt plausibel. Nichts, was wir bislang wissen, bietet einen Hinweis darauf, dass an einer dieser drei Hypothesen etwas Substanzielles dran sein könnte. Warum also diese zweifelhafte „Übung“? – Um zu demonstrieren: Hypothesen aufzustellen, ist an sich ziemlich leicht.
Der Nobelpreisträger Sydney Brenner sagte dazu einmal: „Hypothesen kann man Tausende entwickeln. Ohne große Mühe, über den Kaffeetisch hinweg. Aber wie kann ich sie testen? Das ist es, was mich interessiert. Ich möchte testbare Hypothesen finden. Das ist etwas anderes als pure Hypothesen. Denn nur wenn eine Hypothese testbar ist, kann ich Experimente entwickeln, um sie zu prüfen.“
Testbarkeit also. Nun, auch dieses Kriterium erfüllen unsere drei Kaffeetisch-Hypothesen nicht. Entweder stehen schlichtweg keine entsprechenden Proben zur Verfügung, da sich die Hypothese auf unerreichbare Orte (Beispiel 1) oder längst vergangene Zeiten (Beispiel 2) bezieht – oder unsere experimentellen Methoden sind (noch) nicht gut genug, um die notwendigen Tests in vollem Umfang durchführen zu können (Beispiel 3).
Macht nichts, die drei Beispiele waren ja sowieso nicht plausibel. Dummerweise taugen aber auch Hypothesen, die völlig plausibel erscheinen, oftmals aus dem gleichen Grund lediglich für den Kaffeetisch: Man kann sie nicht testen.
Ein schönes Beispiel lieferten kürzlich israelische Forscher mit ihren Erkenntnissen über Tintenfische – Experten sprechen von Kopffüßern oder Cephalopoden. Bei einer ganzen Reihe von Arten hatten sie die Nukleotidabfolgen sämtlicher Boten-RNAs (mRNAs) Buchstabe für Buchstabe mit den DNA-Sequenzen derjenigen Gene verglichen, von denen sie jeweils direkt transkribiert werden. Zu ihrer Überraschung fanden sie dabei heraus, dass Kraken, Kalmare und Sepien wahre Weltmeister eines Phänomens sind, das die Fachleute RNA-Editing nennen: Nachdem die mRNA wortwörtlich von ihren korrespondierenden Genen abgeschrieben war, wurde die darin ursprünglich transkribierte Base Adenosin an Zehntausenden von Stellen chemisch in Inosin umgewandelt.





