Bisher gibt es für Alzheimer und andere Formen der Demenz kein echtes Heilmittel, bisherige Therapien können den geistigen Abbau nur verlangsamen, nicht aber stoppen oder rückgängig machen. Auch die Ursachen sind bisher erst in Teilen geklärt. Dennoch legen Studien nahe, dass auch die Lebensweise und Ernährung eine Rolle spielen und das Auftreten einer Demenz zumindest verzögern, möglicherweise sogar verhindern können. Doch bisher ist nur in Teilen bekannt, welche Lebensstil-Faktoren dafür ausschlaggebend sind. Neben der Ernährung gelten auch Pflanzeninhaltsstoffe, wie sie beispielsweise in Kaffee oder Schwarzem Tee enthalten sind, als mögliche Präventionshelfer. „Kaffee enthält bioaktive Inhaltsstoffe wie Polyphenole und Koffein, die neuroprotektiv wirken könnten, weil sie oxidativen Stress und neurologische Entzündungen reduzieren“, erklären Yu Zhang von der Harvard University in Boston und seine Kollegen. So legen Laborstudien nahe, dass Koffein die Ansammlung von schädlichen Amyloid- und Tau-Proteinen im Hirngewebe bremsen kann.
Zwei bis drei Tassen Kaffee optimal
Ob sich diese Laboreffekte aber auf den Alltag übertragen lassen, ist unklar. Bisherige Studien dazu erbrachten widersprüchliche Ergebnisse. „Unter anderem variiert die Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen der Koffeinaufnahme und dem Demenzrisiko zwischen den Studien: Einige deuten auf ein erhöhtes Risiko bei hohen Koffeindosen hin, andere zeigen dagegen schützende Effekte, die sich bei höheren Dosen stabilisieren“, berichten Zhang und seine Kollegen. Hinzu kommt, dass viele bisherigen Studien ihre Teilnehmenden nur über relativ kurze Zeit hinweg untersuchten, so dass es kaum Daten über langfristige Effekte gab. Deshalb haben Forschenden nun die Daten von zwei Langzeitstudien ausgewertet, die schon seit über 40 Jahren laufen, der Nurses’ Health Studie (NHS) und der Health Professionals Follow-Up Study (HPFS). Diese umfassen den medizinischen Werdegang und Lebensstilfaktoren von Krankenschwestern und anderen Angestellte aus dem Gesundheitsbereich in den USA. Das Team um Zhang untersuchte anhand der Daten von insgesamt 131.821 Teilnehmenden, ob sich koffeinhaltiger Kaffee, Tee und entkoffeinierter Kaffee auf das Demenzrisiko und die kognitive Gesundheit der einzelnen Personen auswirkten.
Die Auswertungen lieferten Hinweise auf eine Wirkung von koffeinhaltigem Kaffee oder Tee: „Nach Anpassung an potenziell verzerrende Effekte anderer Risikofaktoren war eine höhere Koffeinaufnahme signifikant mit einem verringerten Demenzrisiko verknüpft“, berichtet das Team. Pro 100.00 Personen gerechnet erkrankten 141 Kaffee-Vieltrinker im Laufe der Studienzeit an einer Demenz, bei den wenig Koffein Trinkenden waren es 330 Fälle. Die Teilnehmenden mit hohem Koffeinkonsum erzielten zudem in Tests ihrer geistigen Leistung einen minimal höheren Wert. Mit einer Differenz von nur 0,02 Prozentpunkten war dies jedoch nicht signifikant, wie Zhang und seine Kollegen berichten. Nähere Analysen zeigten, dass es bei der täglichen Menge von Kaffee und Tee einen Sättigungseffekt zu geben scheint: Die kognitiven Vorteile waren am ausgeprägtesten bei Teilnehmenden, die täglich zwei bis drei Tassen koffeinhaltigen Kaffee oder ein bis zwei Tassen Tee konsumierten. Eine höhere Dosis verbesserte die Wirkung hingegen nicht weiter.





