Kein Historiker der römischen Revolutionszeit seit Ronald Syme hat auch nur annähernd so sehr die Horizontverschmelzung mit dieser Epoche und ihren Zeugen gesucht wie Dahlheim. Mit klaren Strichen wird die Gedankenwelt jener Männer vorgestellt, deren alternativlose Fixsterne die Politik, die Ehre und der Krieg waren. Die Momentaufnahmen und Urteile der Zeitgenossen sind bruchlos in den Text eingefügt, als Gewissen und zweite Stimme des modernen Autors, nicht als seine Beutestücke oder als Belege für ihre Beschränktheit. Indem Dahlheim immer wieder die Macht der Geschichte über die Handelnden zu ermessen sucht, veran?kert er die Ereignisse in den Tiefen ihrer verinnerlichten Tradition oder in den Katastrophen des eben Erlebten. So vermag er auch Aporien zu erfassen, wenn er etwa für die Überlebenden und Nutznießer Sullas festhält: „Gegen die moralische Verwüstung gab es für die schuldige und korrumpierte Generation kein Mittel.“
Manches kann man anders sehen. Wie Syme schätzt auch Dahlheim die Artikulationsfähigkeit der Soldaten wie der einfachen Leute in Rom gering und qualifiziert beider Nöte, Motive und Handeln moralisch wohl zu stark ab. Doch das wiegt gering gegenüber dem Leseerlebnis, daß hier, bei der tausendsten Variation dieser Geschichte Caesars, auf einmal etwas passiert. Am Ende erreichte Augustus, der seinen Aufstieg dem Namen und dem Geld seines Adoptivvaters verdankte, diesen aber bald zu den himmlischen Göttern entsorgen mußte, weil nur aus seinem irdischen Scheitern zu lernen war, mit Geschick und Glück das, was die Republik nicht hatte gewähren können: Frieden, stetige Regierung und Wohlfahrt für die Unterworfenen aller Länder. Die Skizze dieses Wunders am Ende des Buchs ruft den Veteranen Dahlheim erneut unter die Fahne: Auch der Elitetrupp der Augustus-Biographien, so gut er zuletzt verstärkt worden ist, könnte noch einen Zugang gebrauchen.
Rezension: Walter, Uwe




