Wendungsreich war das Leben Julians in jedem Fall. Als Knabe erlebte er die Auslöschung beinahe aller seiner nächsten Verwandten, da diese einer Klärung der Nachfolgeverhältnisse in der Familie Kaiser Konstantins zum Opfer fielen. Danach wurde er ein Jünger der reichen Traditionen griechischer Geistigkeit, bevor ihn Abstammung und Zeitläufte an die Spitze eines römischen Heeres stellten, mit dem er zwischen 356 und 359 höchst erfolgreich Gallien von eingefallenen Alamannen befreite.
Dieser Sieg machte den talentierten und charismatisch begabten jungen Mann – er war noch keine 30 Jahre alt – zum Herausforderer von Kaiser Constantius II. Den kampflosen Sieg über den Kaiser, der unerwartet verstarb, interpretierte Julian als Bestätigung des Pfades, den er offenbar schon lange zuvor eingeschlagen hatte. Und so wandte er sich ab vom Christentum, das es nicht vermocht hatte, ihn zu überzeugen, und hin zu einem Paganismus, in dem die alte, farbige Welt voller Götter durch philosophische Stringenz und hingebungsvolle Spiritualität in neuem Licht erstrahlen sollte. Die Sonne, einst für Konstantin Leitstern des Weges zu dem einen Gott, leuchtete auch Julian, freilich führte sie ihn in die entgegengesetzte Richtung.
Dabei verfügt der Biograph Julians über reichen Stoff für ein anschauliches Buch. Klaus Rosen nutzt nicht nur die aufschlußreichen Zeugnisse, die aus der Feder des hochgebildeten und von der Macht des Wortes überzeugten Kaisers stammen, er scheut sich auch nicht, in beinahe hellenischer Manier alle Schleusen seiner eigenen Beredsamkeit zu öffnen und ein reiches Panorama der inneren und äußeren Kämpfe seines Protagonisten zu entfalten. Das Leben wie die Genauigkeit wohnen im Detail, und ebendas ist die Brücke, die Rosen zwischen sich als einem Gelehrten mit intimer Quellenkenntnis und dem Leser errichtet.
Thesenscheu gibt sich der Bonner Emeritus dabei keineswegs: Langfristig sei es Julians Ziel gewesen, das Christentum auszurotten. Diesen weiten Weg konnte Julian indes nicht mehr gehen, denn er verlor am 26. Juni 363 nach nur knapp 20monatiger Herrschaft sein Leben auf einem unglücklichen Feldzug gegen die – Perser. Doch Rosen ist viel zu seriös, um aus der Wiederkehr militanten Glaubens in unse-rer Zeit oder dem Widerhallen alter und neuer Perserkriege den Funken der Aktualität zu schlagen. Die von Julian ausgehende Faszination auf Mit- und Nachwelt, im Schlußkapitel lebendig und bis zum Skurrilen entfaltet, stellt ohnehin eine sehr viel tragfähigere Brücke vom Damals zum Heute dar.
Rezension: Walter, Uwe




