Verne (1828 –1905) erlebte bewußt das Ende des Juli-Königtums, die Zweite Republik und das Zweite Kaiserreich sowie die ersten, äußerst konfliktreichen Jahrzehnte der Dritten Republik, zunächst während seiner Studentenzeit und seiner Anfänge als Autor in Paris, später aus der selbstgewählten Distanz der Provinzstadt Amiens. Dehs beschreibt, wie Verne als Jurist und Börsenmakler sowie nach erfolglosen Versuchen, sich als Theaterautor zu etablieren, zu jenem Genre zwischen Abenteuerroman und Science-fiction fand, das ihn berühmt machte.
Das Buch besticht ebenso durch ausführliche Werkanalysen, die Vernes literarische Vielseitigkeit aufzeigen, wie durch die Schilderung des kulturellen und vor allem des literarischen Umfelds. Der historische Kontext wird nicht immer völlig korrekt dargestellt (so war das Juli-Königtum keine „Fortsetzung“ der „liberalen“ Politik Ludwigs XVIII., und 1852 gab es keine „Kaiserkrönung“ Napoleons III.). Dafür ist die Ermittlung von Vernes schriftstellerischen Einkünften im Anhang (nahezu zwei Millionen Francs zwischen 1863 und 1905) recht aufschlußreich, auch wenn die Gleichsetzung von einem Franc damals mit etwa drei Euro heute recht niedrig veranschlagt ist. Die Biographie bietet so eine willkommene Grundlage für die Beschäftigung mit dem immer noch gerngelesenen Autor, dessen technische Visionen auch uns Heutige nach wie vor faszinieren.
Rezension: Erbe, Michael




