Vor etwa 12.900 Jahren erlebte das Klima der Nordhalbkugel eine Art Rückfall: Nachdem die Eiszeit eigentlich schon vorbei war, schwächte sich die Nordatlantische Umwälzströmung (AMOC) ab und die Temperaturen fielen um einige Grad Celsius. Diese sogenannte Jüngere Dryaszeit dauerte etwa tausend Jahre und warf Europa fast in die Eiszeit zurück. Auch die prähistorische Clovis-Kultur in Nordamerika könnte dadurch ihren Niedergang erlebt haben.
Doch der Auslöser für diesen nacheiszeitlichen Kälteeinbruch ist bislang strittig. Einige Forschende halten den Einschlag von Meteoriten oder Kometen für die Ursache. Als mögliche Indizien dafür gelten Nanodiamanten, Schmelzkügelchen und die Anreicherung von bestimmten Elementen in Sedimenten und Eisbohrkernen aus dieser Zeit. Auch am Meeresgrund der Baffin Bay zwischen Nordamerika und Grönland haben Wissenschaftler auffallende Metallanreicherungen und Schmelzkügelchen entdeckt.

Streit um den Urheber des Kälteeinbruchs
Das Problem jedoch: Viele potenzielle Einschlags-Indizien könnten auch durch rein irdische Ereignisse entstanden sein, wie beispielsweise gehäufte Vulkanausbrüche – so die Argumentation anderer Geologen. Ihrer Ansicht nach deutet vor allem die Häufung von siderophilen, eisenliebenden, Elementen wie Osmium, Iridium, Ruthenium, Platin Palladium oder Rhenium in den Ablagerungen auf einen vulkanischen Ursprung der Kälteperiode hin.
Um die Streitfrage zu klären, haben Lucien Nana Yobo von der Texas A&M University und seine Kollegen eine Gesteinsformation aus der Jüngeren Dryas in Florida noch einmal genauer untersucht. Diese Page-Ladson-Fundstätte an der Küste der USA zeigt eine ungestörte Schichtfolge und gehört zu den am besten und häufigsten datierten archäologischen Stätten der Neuen Welt, wie die Forschenden erklären. Für ihre Studie analysierten sie die Isotopenverhältnisse von Osmium und anderen siderophilen Elementen in den Schichten rund um den Beginn der Jüngeren Dryas.





