Die Autorin Okşan Svastics führt den Leser an die Orte jüdischen Lebens in Istanbul. Als Einstieg lässt sie eine prominente Stadtbewohnerin jüdischer Abstammung, die Journalistin und Schriftstellerin Vivet Kanetti, von „ihrem“ Istanbul erzählen. Danach stattet die Autorin ihre Leser mit dem historischen Hintergrundwissen – von der Antike bis zur Türkischen Republik – aus, das benötigt wird, um die jüdischen Seiten der Metropole kennenzulernen.
Im Hauptteil werden die verschiedenen Wohngebiete vorgestellt, in denen sich Juden einst niederließen oder wo sie bis heute leben. Da diese Gebiete in der Regel nicht mit den Namen der heutigen Stadtviertel übereinstimmen, fasst Svastics stets mehrere Stadtteile zusammen. Eine allgemeine Charakterisierung des Gebiets, ein Stadtplan und eine Liste der wichtigsten Sehenswürdigkeiten stehen am Beginn, dann beschreibt die Autorin die einzelnen Gebäude und Orte, etwa Synagogen, ehemalige jüdische Schulen oder Geschäfte. Sie erzählt aber auch die Geschichten einzelner prominenter Bewohner. Irritierend ist, dass sich die zahlreichen Nummerierungen auf den Plänen nicht auf die geschilderten Orte beziehen.
Immer wieder schiebt Svastics kleinere Exkurse ein, etwa über sephardisch-türkische Musik, wichtige jüdische Familien und einzelne historische Ereignisse, vor allem aber über gesellschaftliche Bereiche und wirtschaftliche Branchen, in denen Istanbuler Juden tätig waren. So macht sie deutlich, wie das Judentum die Stadt nachhaltig geprägt hat.
Auch wenn es sich nicht um einen klassischen Reiseführer handelt, kann es gelingen, mithilfe des reich bebilderten Bandes die oftmals versteckten Spuren jüdischer Geschichte und Kultur in der Bosporus-Metropole entdecken.
Rezension: Jan Müller




