Bis Anfang August 2021 hat das Coronavirus Sars-CoV-2 weltweit für mehr als 200 Millionen bestätigte Erkrankungen und über 4,3 Millionen Todesfälle gesorgt. Zudem mehren sich die Berichte von Menschen, die noch lange nach der eigentlichen Erkrankung an Nachwirkungen der Infektion leiden. Dazu zählen Symptome wie Müdigkeit, Muskelschwäche, Kurzatmigkeit sowie Depressionen und Angstzustände. Eine einheitliche Definition von Long Covid existiert bislang allerdings noch nicht und es ist wenig darüber bekannt, wie häufig und unter welchen Bedingungen Langzeitfolgen vorkommen.
Langzeitfolgen noch nach einem Jahr
Ein Team um Lixue Huang von der Capital Medical University in Peking hat nun die bisher umfangreichste Analyse zu Long Covid vorgelegt. Dazu untersuchten die Forscher 1276 ehemalige Covid-19-Patienten, die zwischen Januar und Mai 2020 im Jin Yin-tan Hospital in Wuhan behandelt worden waren. Bei Gesundheitschecks nach sechs und zwölf Monaten beantworteten die Teilnehmer Fragen zu ihrem Befinden, durchliefen Labortests und körperliche Untersuchungen und machten einen Ausdauertest. Bei einigen Patienten führten die Forscher zudem einen Lungenfunktionstest und ein Thorax-CT durch. Als Vergleichsgruppe dienten Personen, die nicht an Sars-CoV-2 erkrankt waren und den Personen aus der Studiengruppe in Bezug auf Alter, Geschlecht und Vorerkrankungen glichen.
„Während sich die meisten gut erholt hatten, bestanden bei einigen Patienten weiterhin gesundheitliche Probleme, insbesondere bei denen, die während ihres Krankenhausaufenthalts schwer erkrankt waren“, berichtet Co-Autor Bin Cao vom China-Japan Friendship Hospital in Peking „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Genesung einiger Patienten länger als ein Jahr dauert. Dies sollte bei der Planung der Gesundheitsversorgung nach der Pandemie berücksichtigt werden.“
Schäden an der Lunge
Besonders häufig berichteten die Patienten von Müdigkeit und Muskelschwäche. Diese Symptome gingen den Forschern zufolge im Laufe der Zeit zurück. Während bei der Untersuchung nach sechs Monaten 68 Prozent der Teilnehmer noch unter mindestens einem Symptom litten, waren es nach einem Jahr nur noch 49 Prozent der Teilnehmer. Was Kurzatmigkeit anging, steigerte sich allerdings der Anteil der Betroffenen von 26 Prozent nach sechs Monaten auf 30 Prozent nach zwölf Monaten. Besonders Patienten, die so schwer erkrankt gewesen waren, dass sie während ihres Krankenhausaufenthalts künstlich beatmet werden mussten, waren häufig noch nach einem Jahr kurzatmig – in 39 Prozent der Fälle. Von den weniger schwer erkrankten Patienten berichtete dagegen nur jeder Vierte nach einem Jahr über Kurzatmigkeit.
Lungenfunktionstests nach einem Jahr ergaben, dass die Sauerstoffübertragung von der Lunge in den Blutkreislauf bei 35,7 Prozent der Untersuchten verringert war – wobei sich gegenüber der Sechsmonatsuntersuchung keine Verbesserungen zeigten. Thorax-CT-Aufnahmen nach sechs Monaten zeigten bei 186 von 353 Untersuchten krankhafte Veränderungen der Lunge. Mehr als die Hälfte der Betroffenen wies auch nach zwölf Monaten noch Anomalien auf.





