„Die EU-Kommission plant dritte industrielle Revolution“, so lautete eine Zeitungsschlagzeile im Oktober 2012. Unter dem Druck der Euro-Krise will die Kommission nun die schrumpfende Industrie in Europa finanziell stärken, damit neue Arbeitsplätze entstehen. Mehr Investitionen für Fabriken, den Binnenmarkt ausbauen, Aus- und Fortbildung für Arbeitskräfte fördern – das ist das politische Credo der EU-Kommission. Wirklich innovativ klingt das nicht. Sieht so die dritte industrielle Revolution aus? Und kann man damit die formulierten ehrgeizigen Umweltziele erreichen? Der US-amerikanische Soziologie Jeremy Rifkin bezweifelt das und rät der EU-Kommission zu einem anderen Weg. Auch er propagiert für das 21. Jahrhundert eine Ära der dritten industriellen Revolution. Allerdings eine, die in ein grünes Zeitalter führt.
Von Jeremy Rifkin
Der Blick in die Geschichte macht es uns deutlich: Große wirtschaftliche Umwälzungen ereignen sich immer dann, wenn sich neue Formen der Kommunikation und der Energiegewinnung entwickeln und miteinander verbinden. Denn mit einer Energierevolution intensiviert und dehnt sich der Handel aus. Und die neuen Formen der Kommunikation helfen dabei, die neu entstandenen komplexen Handelsbeziehungen zu regeln.
So vollzog sich im 19. Jahrhundert, nachdem die Dampfmaschine erfunden war, die erste industrielle Revolution. Fortan konnte man Druckmaschinen günstig betreiben. Zur selben Zeit wurden vielerorts öffentliche Schulen eingerichtet. Die Menschen lernten lesen und schreiben und waren zunehmend mit einem Werkzeug ausgerüstet, mit dem sie den florierenden Handel in schriftlicher Form organisieren konnten. Mit der Nutzung der Elektrizität ereignete sich im 20. Jahrhundert die zweite industrielle Revolution. Auch diese neue Energieform brachte neue Kommunikationskanäle hervor – etwa das Telefon, Radio oder Fernsehen –, die den Massenkonsum ankurbelten.
Schon heute kündigt sich eine dritte bahnbrechende Umwälzung an. Aktuell gehen das Internet und die erneuerbaren Energien eine vielversprechende Ver-bindung ein. Diese Fusion wird die neue Infrastruktur hervorbringen für eine dritte industrielle Revolution – eine Revolution, die die Art und Weise, wie Energie im 21. Jahrhundert verteilt wird, völlig verändert. In Zukunft werden Millionen von Menschen, ob zu Hause oder im Büro, selbst grünen Strom produzieren und in einer Art Energie-Internet miteinander teilen, genauso wie wir heute ständig Informationen über das Internet generieren und austauschen.





