Es sieht spektakulär aus, wenn ein Fakir sich in aller Ruhe und scheinbar ohne die geringsten Schmerzen halbnackt auf einem „Bett“ ausstreckt, aus dem Hunderte spitzer Nägel ragen, von denen man eigentlich erwartet, dass sie sich tief in sein Fleisch bohren. Doch erstaunlicherweise fließt dabei kein Tropfen Blut. Denn für dieses Kunststück bedarf es, so unglaublich es erscheinen mag, weder eines eisernen Willens noch eines jahrelangen Abhärtungstrainings und schon gar nicht stundenlanger Meditation. Vielmehr kann eigentlich jeder es dem Fakir gleichtun. Wichtig ist lediglich, dass die Nägel dicht an dicht nebeneinanderstehen. Ist das der Fall, liegt der ganze Trick darin, das Körpergewicht beim Hinlegen unverzüglich auf eine möglichst große Fläche zu verteilen, das heißt, sich von Anfang an beherzt der Länge nach auszustrecken. Das erfordert natürlich eine gewisse Überwindung, sorgt aber zuverlässig dafür, dass man den nicht völlig vermeidbaren Anfangsschmerz kaum spürt. Denn Druck ist bekanntlich Kraft pro Fläche. Und die Kraft, mit der das Nagelbett belastet wird, ist durch das Körpergewicht vorgegeben und somit unveränderlich. Das bedeutet, dass sich der Druck, mit dem die Nagelspitzen in die Haut eindringen, auf ein erträgliches Maß reduzieren lässt, wenn man von Anfang an für eine möglichst große Kontaktfläche sorgt. Wer daher Fakir spielen will, darf auf keinen Fall den Fehler machen, sich zuerst vorsichtig hinzusetzen oder gar sein Gewicht mit den Händen abzustützen, sondern muss sich sofort mit dem gesamten Körper auf die unbequeme Unterlage legen.
Um sich das Prinzip zu verdeutlichen, kann man ein geschältes gekochtes Ei auf drei spitze Nadeln legen. Dabei wird das Ei zumindest „Stichwunden“ davontragen, es kann aber auch sein, dass es vollständig durchbohrt wird. Füllt man dagegen den Zwischenraum zwischen den Auflagepunkten mit zahlreichen weiteren Nadeln aus, passiert dem Ei nicht das Geringste.





