Der größte Teil der Fettreserven erwachsener Menschen bestehen aus weißem Fettgewebe, das als langfristiger Energiespeicher fungiert – und mitunter schwer wieder loszuwerden ist. Braunes Fettgewebe dagegen kann die gespeicherten Kalorien direkt in Wärme umwandeln. Besonders aktiv ist es bei Säuglingen. Doch auch bei Erwachsenen lässt sich das braune Fettgewebe durch Kälte aktivieren. Je aktiver das braune Fettgewebe, desto weniger Energie wird in Form von weißem Fettgewebe gespeichert. Menschen mit besonders aktivem braunem Fettgewebe sind deshalb durchschnittlich schlanker. Welche Faktoren jedoch zu individuellen Unterschieden beitragen, ist bislang wenig erforscht.
Aktives braunes Fettgewebe bei Winter-Gezeugten
Ein Team um Takeshi Yoneshiro von der Universität Tokio in Japan hat nun untersucht, welchen Einfluss die Jahreszeit und deren typische Temperaturen bei der Zeugung auf die Nachkommen haben. Dazu maßen bei 356 jungen Männern aus Japan die Dichte und Aktivität des braunen Fettgewebes. Da das braune Fettgewebe vor allem durch kühle Temperaturen aktiviert wird, hielten sich die Testpersonen vor der Messung für zwei Stunden in einem auf 19 Grad Celsius klimatisierten Raum auf. Für die Auswertung verglichen die Forschenden Personen, die in der kalten Jahreshälfte, also zwischen dem 17. Oktober und dem 15. April, gezeugt worden waren, mit solchen, die in der warmen Jahreshälfte zwischen dem 16. April und dem 16. Oktober gezeugt worden waren.
Das Ergebnis: „Ein aktives braunes Fettgewebe kam signifikant häufiger bei Personen vor, die in der kalten Jahreszeit gezeugt wurden“, berichtet das Forschungsteam. Während in der Sommer-Zeugungs-Gruppe nur 66 Prozent der Individuen ein aktives braunes Fettgewebe aufwiesen, waren es in der Winter-Zeugungs-Gruppe 78 Prozent. Um die Ergebnisse weiter zu untermauern, untersuchten Yoneshiro und seine Kollegen über 300 weitere Männer und Frauen im Alter zwischen drei und 78 Jahren. Auch in dieser Kohorte zeigte sich, dass das braune Fettgewebe vor allem bei Menschen, die in der kalten Jahreszeit gezeugt worden waren, besonders aktiv war.
Programmiert Kälte die Spermien um?
Ein Abgleich mit historischen Wetterdaten für den jeweiligen Zeugungszeitpunkt offenbarte, dass offenbar große tägliche Temperaturschwankungen und eine niedrige Außentemperatur bei der Zeugung mit einem aktiveren braunen Fettgewebe im Erwachsenenalter assoziiert sind. „Andere Parameter, wie Tageslänge, Sonnenscheindauer, Luftfeuchtigkeit und Niederschlag kurz vor der Zeugung standen dagegen nicht mit der Aktivität des braunen Fettgewebes in Verbindung“, berichten die Forschenden. Auch für die Wetterverhältnisse in anderen Phasen der Schwangerschaft oder nach der Geburt konnten sie keinen Einfluss nachweisen.





