In Fantasyerzählungen sind sie sehr beliebt. So spielen sie beispielsweise in Fernsehserien wie „Game of Thrones“ und Sagen wie dem „Drachentöter von Mixnitz“ eine tragende Rolle. Und noch früher findet man sie in der Bibel: Im Rahmen der Offenbarung des Johannes stehen einander ein Drache und der Erzengel Michael in vollem Harnisch gegenüber. Und im sogenannten Pseudo-Matthäus-Evangelium bändigt der Baby-Jesus auf der Flucht nach Ägypten nicht nur Panther und Löwen, sondern auch Drachen, die sich der Reisegruppe in den Weg stellen: „Da stieg Jesus vom Schoß seiner Mutter herab, und stellte sich vor den Drachen auf seine Füße. Sie aber fielen huldigend vor ihm nieder, und nach dieser Huldigung entfernten sie sich.“ Also praktisch der Animationsfilm „Drachenzähmen leicht gemacht“ in der Beta-Version.
Adler, Löwe und Schlange
So beliebt Drachen in unseren Märchen auch sein mögen, gesehen wurden sie noch nie. Kein einziges Exemplar. Aber ähnlich wie bei Erlösern gibt es zahlreiche Hypothesen, warum wir Menschen überhaupt auf die Idee gekommen sind, Drachen zu erfinden.
Wir Menschen zählen ja nach wie vor zu den Primaten, genauer gesagt zu der Unterordnung der Trockennasenprimaten. Als solche haben wir traditionell einige unangenehme Gegner in der Natur, die wir als Fressfeinde bezeichnen. Früher waren sie deutlich bedrohlicher für uns als umgekehrt. Es handelt sich dabei um große Greifvögel wie Adler und fleischfressende Raubtiere wie Löwen und Schlangen. Sie gelten evolutionär als unsere Erzfeinde. Und wenn man sich die drei als ein Tier zusammendenkt, kommt dabei sowas wie ein Drache heraus. Der Drache verkörpert also das ultimative Monster. Er vereint die Eigenschaften all jener Lebewesen, die uns seit Jahrmillionen nach dem Leben trachten und vor denen wir uns in unseren Geschichten und Träumen ängstigen.
Das wäre zumindest eine Erklärung. Vielleicht entstand die Vorstellung des Drachen aber auch aus Erzählungen von Reisenden, die in Indonesien Komodowarane zu Gesicht bekommen hatten. Immerhin können diese Echsen rund 80 Kilogramm schwer werden und eine Länge von bis zu 3 Metern erreichen.
Oder möglicherweise waren größere Schlangen der Ursprung des Drachen-Mythos. Denn das griechische Wort für Drache bedeutet sinngemäß scharfblickendes Tier. Und da Schlangen keine Augenlider besitzen, was sollen sie sonst tun, als die ganze Zeit scharf zu blicken? Wenn man ein wenig übertreibt, um den Daheimgebliebenen lange Zähne zu machen oder zur Finanzierung der nächsten Reise mehr Karten für den Diavortrag verkaufen möchte, kann aus einem Waran oder einer scharfblickenden Schlange schon mal ein Drache werden.
Auch die Knochen des Höhlenbären, der deutlich größer werden konnte als heutige Braunbären, wurden gern für Drachenknochen gehalten – oder aber für die Knochen eines von einem Drachen verspeisten Bären. Auf diesen Gedanken kam man auch deshalb, weil man die Knochen in Höhlen gefunden hatte, in denen es Hinweise auf Zehntausende Jahre alte Feuerstellen gab. Dass diese Feuerstellen von Menschen stammten, wusste man aber zu der Zeit noch nicht und hat sich daher zusammengereimt: Wer so große Bären erlegen und gegrillt schnabulieren kann, der ist offenbar noch größer und kann vermutlich Feuer speien.





